Mammakarzinom: Tyrosinkinase-Inhibitor Tucatinib erhöht Überlebenschancen auch bei Hirnmetastasen

  • N Engl J Med

  • von Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Der Her2-Tyrosinkinase-Inhibitor Tucatinib wird derzeit klinisch geprüft bei Frauen mit Her2-positivem metastasiertem Mammakarzinom. Eine internationale Phase-3-Studie, in die auch deutsche Zentren Patientinnen eingebracht haben, belegt: Die neue Substanz ist in Kombination mit Trastuzumab und Capecitabin hoch wirksam, auch bei rezidivierten Hirnmetastasen. Das Progressionsrisiko wird fast halbiert und das Risiko zu sterben sinkt um 33 %.

Hintergrund
Die Behandlungsmöglichkeiten für Frauen mit metastasiertem Brustkrebs haben sich in den vergangenen 20 Jahren erheblich verbessert. Diese Verbesserungen haben auch zur Folge, dass bei häufiger Hirnmetastasen diagnostiziert werden. Dann ist das Spektrum effektiver Therapieoptionen erheblich eingeschränkt. Auch heute noch sterben die meisten Frauen mit einem metastasierten Mammakarzinom an der Erkrankung. Tucatinib, ein selektiver Her2-Tyrosinkinase-Inhibitor, ist in klinischer Prüfung für die Therapie bei Her2-positivem metastasiertem Mammakarzinom und wird mit Trastuzumab und Capecitabin kombiniert.

Design

  • Studienform: internationale randomisierte und doppelblinde Phase-3-Studie
  • Teilnehmerinnen: Frauen mit vorbehandeltem Her2-positivem metastasiertem Mammakarzinom mit und ohne Hirnmetastasen
  • Studientherapie im
    • Verumarm: Tucatinib 300 mg oral 2 x täglich plus Trastuzumab (6 mg/kg KG i.v. alle 21 Tage) plus Capecitabin 1000 mg/m2 2 x täglich an 14 aufeinanderfolgenden Tagen eines 21-Tage-Zyklus
    • Placeboarm: Placebo plus Trastuzumab plus Capecitabin
  • Randomisierung: 2 : 1 zu Verum und Placebo
  • Endpunkte: progressionsfreies Überleben (PFS) unter den ersten 480 von 612 randomisierten Patientinnen (primärer Endpunkt) und Gesamtüberleben (OS; sekundärer Endpunkt)

Hauptergebnisse
Das PFS lag nach 1 Jahr bei 33,1 % in der Verumgruppe und bei 12,3 % unter Placebo (Hazard Ratio [HR] für Progression oder Tod: 0,54; p

Unter den Teilnehmerinnen mit Hirnmetastasten – das war fast die Hälfte der Gesamtgruppe – lebten nach 1 Jahr 24,9 % ohne Progress, aber keine Patientin mehr aus der Placebogruppe (HR: 0,48; p

Klinische Bedeutung
Tucatinib hat sich bei intensiv vorbehandelten Patientinnen mit HER2-positivem, metastastasiertem Mammakarzinom in einer Kombination mit Trastuzumab und Capecitabin als gut wirksam erwiesen, die Frauen lebten unter der Dreierkombination im Durchschnitt 4,5 Monate länger als unter der Zweierkombination (21,9 vs. 17,4 Monate). Die Substanz erhöht zwar die Toxizität von Trastuzumab plus Capecitabin, schwere Nebenwirkungen aber waren in der Studie vergleichsweise selten.

Finanzierung: Seattle Genetics