Mammakarzinom: Strahlentherapie und schwere globale Fatigue

  • Helga Gutz
  • Clinical Summary
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Erkenntnis

  • Einer bahnbrechenden französischen Kohortenstudie zufolge ist eine schwere allgemeine Erschöpfung 1 Jahr nach der Strahlentherapie (RT) ausgesprochen häufig und hängt mit verschiedenen RT-Modalitäten bei Brustkrebs im Frühstadium zusammen.

Warum das wichtig ist

  • Eine der ersten Studien dieser Art könnte Patienten und Ärzten helfen, die Ursachen für die langfristige und extreme Fatigue nach einer Brustkrebsbehandlung zu verstehen.
  • Die Ergebnisse könnten schließlich zu personalisierten Interventionen führen, die dazu beitragen, dieses beeinträchtigende Symptom zu verhindern oder zu beherrschen.

Studiendesign

  • Die prospektive Kohortenstudie mit 3295 Patienten bestand aus einer Untergruppe der CANcer TOxicity (CANTO)-Kohorte, die als CANTO-RT bekannt ist. RT steht dabei für Strahlentherapie.
  • Die Kohorte umfasste Patienten mit Brustkrebs im Frühstadium (Stadien I-III), die zwischen 2012 und 2017 an 26 Zentren behandelt und 1 Jahr nach Abschluss der RT untersucht wurden.
  • Primärer Endpunkt war eine schwere globale Fatigue nach 1 Jahr, die definiert war durch Werte von ≥40 auf einer Skala von 1-100, wobei 100 der schlechteste Wert des Fragebogens der European Organization for Research and Treatment of Cancer Quality of Life (EORTC QLQ-C30) war.
  • Zu den sekundären Endpunkten gehörten schwere körperliche, emotionale und/oder kognitive Fatigue nach 1 Jahr, definiert durch Werte von ≥40 auf einer Skala von 1-100 in einem verwandten Fragebogen, dem EORTC QLQ-FA12.
  • 6 verschiedene RT-Modalitäten wurden als unabhängige Variablen untersucht:
    • 3D-konformale RT vs. intensitätsmodulierte RT.
    • Normofraktionierte RT (25 Fraktionen à 50 Gy) vs. hypofraktionierte RT (15 Fraktionen à 40,05 Gy).
    • Tumorbett-Boost: ja oder nein.
    • Lateralität: links vs. rechts.
    • Lymphknoten-RT: ja oder nein.
    • Lymphknoten-RT einschließlich der Mammaria-interna-Kette (IMC, ein Lymphabflussweg): ja oder nein.
  • Finanzierung: französische Nationale Forschungsagentur; Rising Tide Foundation; andere.

Wesentliche Ergebnisse

  • Die Prävalenz der schweren globalen Fatigue lag nach 1 Jahr bei 33,3%.
  • Darüber hinaus berichteten 33%, 20,4% und 12,9% der Kohorte über schwere körperliche, emotionale bzw. kognitive Fatigue.
  • Die RT der Lymphknoten einschließlich der IMC war im Vergleich zu keiner RT mit einer um 48% erhöhten Wahrscheinlichkeit für eine schwere globale Fatigue verbunden (aOR 1,48; P=0,0355).
  • Die normofraktionierte RT war gegenüber der hypofraktionierten RT mit einer um 88% erhöhten Wahrscheinlichkeit einer schweren globalen Fatigue verbunden (aOR 1,88; P=0,0298).
  • Zudem war die normofraktionierte RT gegenüber der hypofraktionierten RT mit einer um fast 85% erhöhten Wahrscheinlichkeit schwerer körperlicher Fatigue assoziiert (aOR 1,849; P=0,0354).
  • Keine der RT-Modalitäten war mit schwerer emotionaler und/oder kognitiver Fatigue verbunden.

Einschränkungen

  • Beobachtungsdesign.
  • Alle Ergebnisse beruhten auf Patientenangaben.