Malignes Melanom: Bei Hoch-Risiko-Primärherd bleibt die Rezidivrate trotz Operablität hoch

  • JAMA Dermatology

  • von Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Das Risiko des Primarius ist auch bei lokoregionär begrenztem malignen Melanom wegweisend für das Rezidivrisiko. Die Sentinel-Node-Biopsie macht die die Prognose besser abschätzbar und wird empfohlen.

Hintergrund

Beim malignen Melanom nehmen nicht nur die absoluten, sondern auch altersstandardisierten Erkrankungsraten zu. Für 2018 werden in Deutschland circa 22.000 Neuerkrankungen erwartet (1). Die optimale Anwendung systemischer Therapien, auch mit zielgerichteten Substanzen oder Checkpoint-Inhibitoren, setzt voraus, dass Rezidive früh erkannt werden. In einer großen Kohortenstudie haben australische Forscher untersucht, wie hoch das Rezidivrisiko bei operabler, lokalisierter Erkrankung mit Hoch-Risiko-Primarius ist (2).

Eine weitere Frage war, ob die Klassifizierung des Tumors nach der 8. Version des AJCC Cancer Staging Manual im Vergleich zur 7. Version die Schätzungen für die Prognose verändert. In der 8. Version des Handbuchs ist die Mitroserate kein Staging-Parameter mehr. Als Kriterium für kleine, invasive Tumoren ist die Dicke von 1,0 mm (7. Version) auf 0,8 mm reduziert worden. Außerdem soll in die Einschätzung des Überlebens das Ergebnis einer Sentinel Node Biopsie (SLNB) eingehen (zit. n. [2]) .

Design

  • prospektive Kohortenstudie
  • Einschlusskriterien: Patienten mit histologisch gesicherten, lokal begrenzten kutanen Melanomen in den Stadien 1b–4b
  • Intervention: Teilnehmer wurden alle 6 Monate nach Befunden gefragt, die durch Bildgebung und/oder histologische Untersuchung bestätigt waren
  • Teilnehmer: 700 Patienten mit Hoch-Risiko-Primarius und vollständiger Dokumentation
  • Primarius: zu 83 % bei Diagnose > 1 mm (70 %: > 1–4 mm; 12,7 %: > 4 mm; 12,3 %: ≤ 1 mm).

Hauptergebnisse

13,4 % der Teilnehmer erlitten in 2 Jahren ein Rezidiv: 66 Patienten (70,2 %) lokoregionär und 28 (29,8 %) fernmetastasiert. Risikofaktoren für Rezidive waren Ulzerationen, Lokalisation im Kopf-Hals-Bereich und erhöhter Mitose-Index. Nach Operation der lokoregionären Rezidive blieben 57,8 % der Behandelten 2 Jahre krankheitsfrei.

Das durchschnittliche krankheitsfreie Überleben (DFS) für 2 Jahre wurde beim Vorgehen nach AJCC7 und AJCC8 vergleichbar eingeschätzt: Im Tumorstadium 1b lag es bei 93,3 % nach AJCC7 und bei 93,0 % nach AJCC8, im Tumorstadium 4b betrug das 2-Jahres-DFS nach beiden AJCC-Versionen 68,0 %. Patienten ohne SLNB hatten eine etwas schlechtere Prognose als jene mit negativem Untersuchungsergebnis: ohne Sentinel-Biopsie waren 91,1 % nach 2 Jahren krankheitsfrei vs. 96 % mit einem negativen Befund in der SLNB.

Klinische Bedeutung

Circa jeder 7. Patient mit lokal begrenztem malignen Melanom und einem Primärherd mit hohem Risiko hat schon nach 2 Jahren ein Rezidiv, auch wenn dieses bei der Mehrheit der Patienten lokal begrenzt ist. Dieses Ergebnis verdeutlicht nach Meinung der Autoren, wie wichtig die engmaschige und sorgfältige Nachsorge vor allem bei Primärherden mit hohem Risiko ist. Denn die meisten Rezidive treten nicht schon innerhalb von 2 Jahren auf, sondern später.

Finanzierung: öffentliche Mittel