Makrolid-Antibiotika in der Schwangerschaft könnten Fehlbildungen auslösen

  • British Medical Journal

  • von Andrea Hertlein
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaft

Die Behandlung mit einem Makrolid-Antibiotikum während des ersten Trimesters einer Schwangerschaft ist im Vergleich zu Penicillin mit einer erhöhten Rate von Fehlbildungen vor allem des Herz-Kreislauf-Systems assoziiert. Das geht aus einer bevölkerungsbezogenen Kohorten-Studie hervor, deren Ergebnisse jüngst im British Medical Journal (BMJ) veröffentlicht wurden.

Dazu haben Heng Fan vom University College London und Mitarbeiter in einer Analyse der „Clinical Practice Research Datalink“ Daten von 104.605 Kindern verglichen, deren Müttern entweder ein Makrolid (Erythromycin, Clarithromycin oder Azithromycin) oder ein Penicillin während der Schwangerschaft verordnet wurde. Um sowohl eine erhöhte Morbidität der Mütter als auch die genetische Disposition auszuschließen, wurden noch zwei Negativ-Kontrollen durchgeführt. Eine negative Kontrollkohorte bestand aus rund 82.300 Kindern, deren Mütter vor der Empfängnis Makrolide oder Penicillin erhalten hatten. Eine weitere negative Kontrollkohorte enthielt rund 53.700 Kinder, die Geschwister von Kindern der Studienkohorte waren.

Kardiovaskuläre Fehlbildungen am häufigsten

Die britischen Forscher beobachteten bei Kindern, deren Mütter in der Schwangerschaft während der ersten drei Monate ein Makrolid erhalten hatten, häufiger schwere Fehlbildungen als bei Kindern der Frauen, denen ein Penicillin verordnet wurde (28 versus 18 pro 1.000 Lebendgeburten). Dies galt insbesondere für kardiovaskuläre Missbildungen (11 versus 7 pro 1.000 Lebendgeburten). Unter Einnahme von Makroliden in späteren Trimestern konnte dieser Effekt nicht beobachtet werden.

Unabhängig vom Zeitpunkt der Einnahme während der Schwangerschaft wurde ein leicht erhöhtes Risiko von genitalen Fehlbildungen (4,7 versus 3,1 pro 1.000 Lebendgeburten) unter Makrolid-Einnahme beobachtet. Am häufigsten waren Hypospa­dien. Ein erhöhtes Risiko auf Zerebralparesen, die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyper­aktivitätsstörung (ADHS) oder Autismus konnte indessen nicht festgestellt werden.

"Wenn sich die Zusammenhänge als kausal erweisen, legen diese Ergebnisse nahe, dass auf 1.000 Kinder, die im ersten Trimester der Schwangerschaft Makroliden statt Penicillinen ausgesetzt sind, vier weitere Kinder mit kardiovaskulären Missbildungen geboren werden“, wird Fan in einer Mitteilung des University College London zitiert. Die Wissenschaftler kommen daher zu dem Schluss, dass Makrolid-Antibiotika nur mit Bedacht eingesetzt werden sollten. Makrolide sollten demnach während der Schwangerschaft vermieden werden, wenn alternative Antibiotika eingesetzt werden können.

Finanzierung:

CIO Trust, China Scholarship Council, National Institute for Health Research, Health Data Research UK