Lyme-Borreliose: Zwei pflanzliche Heilmittel haben ein höheres Potential als Antibiotika

  • Frontiers in Medicine

  • von Dr. Carola Krause
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaft

Forschende der Johns Hopkins Bloomberg School für öffentliche Gesundheit in Baltimore und des kalifornischen Zentrums für funktionelle Medizin in Berkeley, USA, haben in einer in-vitro-Studie herausgefunden, dass Extrakte aus zwei Pflanzen potentiell als wirksames Therapeutikum gegen Lyme-Borreliose eingesetzt werden könnten.

Hintergrund

Die Lyme-Borreliose ist eine Infektionskrankheit, die durch das Bakterium Borrelia burgdorferi (B. burgdorferi) verursacht wird. Die Krankheit breitet sich durch den Stich einer Zecke, die das Bakterium trägt, auf den Menschen aus und ist die häufigste durch Zeckenstiche übertragene Krankheit in den USA und in Europa.

Obwohl die derzeit empfohlene Antibiotikabehandlung mittels Doxycyclin, Cefuroxim oder Amoxicillin bei den meisten Patienten mit Lyme-Borreliose wirksam ist, leiden etwa 10 – 20 % der Patienten weiterhin an anhaltenden Symptomen.

Aus diesem Grund haben Forscher nach alternativen Methoden zur Bekämpfung des Bakteriums gesucht. Bisher gab es Einzelberichte, die über die Verwendung von Kräuterextrakten zur Behandlung von Patienten mit anhaltenden Symptomen berichteten. Es ist jedoch unklar, ob die Wirkung der Kräuterprodukte auf eine direkte antimikrobielle Aktivität oder die Wirkung auf das Immunsystem des Wirts zurückzuführen ist.

Amerikanische Forschende sind jetzt der Frage nachgegangen, ob pflanzliche Heilmittel ein realistisches Potenzial zur Behandlung von Lyme-Borreliose besitzen.

Chinin und Knöterich sind vielversprechend

In einer in vitro Studie analysierten die Forschenden das Potenzial von 14 verschiedenen Pflanzenextrakten zur Abtötung von B. burgdorferi. Dabei verglichen sie die Ergebnisse mit denen von zwei der traditionellen Medikamente gegen Lyme-Borreliose: Doxycyclin und Cefuroxim.

Die Forschenden konnten zeigen, dass 1-prozentige Extrakte aus sieben verschiedenen Pflanzen gegen die Bakterien der Lyme-Borreliose wirksamer waren als Doxycyclin und Cefuroxim:

  • schwarze Walnuss (Juglans nigra),
  • Katzenkralle (Uncaria tomentosa),
  • süßer Wermut (Artemisia annua),
  • mediterrane Steinrose (Cistus incanus),
  • chinesische Schädeldecke (Scutellaria baicalensis),
  • ghanaisches Chinin (Cryptolepis sanguinolenta).
  • japanischer Knöterich (Polygonum cuspidatum).

In der aktuellen Studie beobachteten die Wissenschaftler, dass Extrakte aus ghanaischem Chinin (Wirkstoff: Cryptolepin) und japanischem Knöterich (Wirkstoff: Resveratrol) die Vermehrung frei schwimmender Bakterien am effektivsten verhinderten, selbst wenn sie in geringen Konzentrationen – von 0,03 % bis 0,5 % – in Laborschalen vorhanden waren.

Eine einwöchige Behandlung beseitigt Bakterien

Die Forschenden konnten zudem zeigen, dass die beiden Pflanzenextrakte auch ganze Mikrokolonien des Bakteriums Borrelia burgdorferi töteten.

Am Besten schnitt dabei  das  1-prozentige ghanaische Chininextrakt ab, dass nach einer 7-tägige Behandlung das Bakterium in Laborschalen komplett abtötete. Darüber hinaus konnte das Bakterium nach dieser Behandlung nicht wieder detektiert werden.

Gleichzeitig lieferten einige der anderen von den Forschern getesteten Naturstoffe unbedeutende oder keine Ergebnisse:

  • Grapefruitsamen,
  • grüner Chiretta (Andrographis paniculata),
  • Ashwagandha,
  • Stevia, Fuller-Karde (Dipsacus fullonum),
  • japanischer Karde,
  • kolloidales Silber,
  • Monolaurin,
  • antimikrobielle Peptid LL37.

Während die aktuellen Ergebnisse darauf hinweisen, dass viele Pflanzen bei der Behandlung der Lyme-Borreliose vielversprechend sind, warnen die Forscher, dass Studien an Tieren und Menschen weiterhin erforderlich sind, um die Wirksamkeit und Sicherheit der natürlichen Heilmittel zu bestätigen.

Finanzierung: Bay Area Lyme Foundation, Steven & Alexandra Cohen Foundation