Lungenkrebsscreening: IQWIG sieht mehr Nutzen als Schaden bei Risikogruppe


  • Andrea Hertlein
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaft

Bei Menschen mit erhöhtem Risiko an Lungenkrebs zu erkranken, ist der Nutzen eines Lungenkrebsscreening mittels Low-Dose-CT größer als der damit verbundene Schaden. Zu diesem Ergebnis kommt das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG) in einem Vorbericht.

Effekt des Low-Dose-CT-Screenings auf Sterblichkeit

Die Wissenschaftler des Instituts berücksichtigten dafür die Daten von insgesamt acht Studien mit mehr als 90 000 Personen. Diese zeigen, dass das Low-Dose-CT-Screening bei (ehemals) starken Rauchern das Risiko für einen Lungenkrebstod verringert. So werden 6 von 1000 Personen davor bewahrt, an Lungenkrebs zu sterben.

Auf Basis der Studienergebnisse lasse sich jedoch nicht statistisch nachweisen, dass die am Screening teilnehmenden Personen auch insgesamt länger lebten, heißt es im IQWIG-Vorbericht. So sei es denkbar, dass die vor dem Lungenkrebstod bewahrten Menschen stattdessen an weiteren tabakassoziierten Erkrankungen stürben, also etwa an anderen Krebsarten oder an kardiovaskulären Erkrankungen.

Die IQWIG-Wissenschaftler gehen dennoch insgesamt davon aus, dass sich der Effekt des Low-Dose-CT-Screenings auf die lungenkrebsspezifische Sterblichkeit auch im Gesamtüberleben niederschlägt.

Dem Nutzen hinsichtlich des Überlebensvorteils des Low-Dose-CT-Screenings steht ein Schaden gegenüber, der vornehmlich aus falschen Befunden und Überdiagnosen resultiert. So kommt es den Studien zufolge wegen falsch-positiver Befunde bei 1 bis 15 von 1000 Personen zu invasiven Abklärungseingriffen, die ohne das Screening nicht durchgeführt worden wären, berichten die IQWIG-Wissenschaftler. Diese Prozeduren können Komplikationen wie etwa das Auftreten eines Pneumothorax verursachen. Geschätzte 0 bis 22 von 1000 zum Lungenkrebsscreening eingeladene Personen erhalten zudem eine Diagnose für ein Bronchialkarzinom, welches im Verlauf ihrer restlichen Lebenszeit keine Beschwerde verursacht hätte.

Weniger Überdiagnosen durch Screening als bei Prostatakarzinom

Allerdings sei laut IQWIG das Überdiagnoserisiko beim Lungenkrebsscreening geringer im Vergleich zum Prostatakrebsscreening. In der Nutzenbewertung zum PSA-Screening kam das Institut zu dem Schluss, dass der Nutzen des Screenings mittels PSA-Test den Schaden nicht aufwiegt. Die höhere Rate an Überdiagnosen sei darauf zurückzuführen, dass Prostatakrebs meist deutlich langsamer wächst als Lungenkrebs. Zudem ziele das Lungenkrebsscreening im Gegensatz zum PSA-Screening auf eine Hochrisikogruppe ab und nicht auf alle Männer einer Altersgruppe.

Das IQWIG nimmt Stellungnahmen zum Vorbericht bis zum 4. August 2020 an.