Lungenkrebs-Operationen: bessere Überlebenschancen bei höheren Fallzahlen in den Kliniken

  • IQWiG Rapid Report,

  • von Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Kernbotschaften

In Krankenhäusern mit höheren Fallzahlen für Lungenkrebsoperationen sind die Überlebenschancen für die operierten Patienten insgesamt höher. Das belegt eine Analyse aus 19 aktuellen großen Studien westlicher Länder, deren Gesundheitsversorgung mit der deutschen vergleichbar sind. Es gibt keinen festen Cut-Off für bessere Ergebnisse im Sinne einer bestimmten Mindestmenge. Aber der Trend zu besserem Gesamtüberleben, zu geringerer therapieassoziierter Sterblichkeit und zu niedrigerer Krankenhausmortalität bei höheren Fallzahlen war konsistent.

Hintergrund

Ob die jährliche Anzahl an planbaren Operationen in einer Klinik die Qualität des Behandlungsergebnisses beeinflusst, kann wichtig sein für die Wahl der Klinik vom Patienten, aber auch für gesundheitspolitische Entscheidungen. Um diese Frage geht es in acht Prüfaufträgen zu Mindestmengen, die der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) erteilt hat. Für die dritte untersuchte Indikation, die chirurgische Behandlung des Lungenkarzinoms, liegt nun der IQWiG-Bericht vor.

Hintergrund
Lungenkarzinome sind die zweithäufigsten Malignome beim Mann und die dritthäufigsten bei der Frau. Im Jahr 2014 erkrankten in Deutschland circa 50 000 Patienten neu an Lungenkrebs, 45 049 Menschen starben daran. Die 5-Jahres-Überlebensrate liegt bei 18 %. Für das nicht kleinzellige Lungenkarzinom (NSCLC) wird in frühen Stadien eine alleinige Operation und in späteren Stadien eine Operation mit unterstützender Chemotherapie empfohlen. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) den Auftrag erteilt zu untersuchen, ob der Behandlungserfolg bei planbaren Operationen davon abhängig ist, wie häufig das Krankenhaus bzw. das Ärzteteam solche Eingriffe vornimmt. Nun liegt der IQWiG-Bericht vor.

Design

  • Der G-BA hatte das IQWiG beauftragt, die Fragestellung in einem beschleunigten Verfahren als Rapid Report zu bearbeiten.
  • 23 große Beobachtungsstudien aus westlichen Ländern wie den USA, Kanada und europäischen Ländern kamen in die erste Auswahl und 19 Studien enthielten verwertbare Ergebnisse zu den Zielgrößen Gesamtüberleben, therapieassoziierte Mortalität und Versterben im Krankenhaus.

Hauptergebnisse

Es ergab sich ein „überwiegend positiver Zusammenhang“, so das IQWiG, zwischen der Leistungsmenge und der Qualität des Behandlungsergebnisses: In Krankenhäusern mit höheren Fallzahlen sind die Überlebenschancen für die operierten Patienten insgesamt höher. Dies basierte auf einer geringeren Gesamtsterblichkeit, geringerer therapieassoziierter Sterblichkeit und niedrigerer Krankenhausmortalität. Keine verwertbaren Ergebnisse gibt es für die Zielgrößen Morbidität, krankheitsfreies Überleben und schwerwiegende, lebensbedrohliche oder tödliche Infektionen.

Klinische Bedeutung
Bei der chirurgischen Behandlung des Lungenkarzinoms wirkt sich die häufigere Durchführung solcher Eingriffe positiv auf das Ergebnis aus – die Überlebenschancen steigen. Dieses Ergebnis kann auch wichtig sein für die Beratung des Patienten durch den niedergelassenen Arzt. Das Ergebnis werde allerdings etwas relativiert durch eine eher geringe analytische Qualität der Studien und die gelegentlich unzureichende Darstellung der Ergebnisse, so das IQWiG.

Finanzierung: öffentliche Mittel