Lungenkrebs durch hochdosierte Vitamin-B-Präparate?


  • Susanne Kressenstein
  • Medizinische Nachrichten
Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Vitamin-B-Präparate werden häufig zur Prävention von Krebs eingenommen. Eine aktuelle Studie zeigt, dass sich der Nutzen bei einer zu hohen Dosierung eher in Schaden verwandelt. Die Supplementation mit Vitamin B wird dann zum Risikofaktor für Lungenkarzinome. Die Vitamine der B-Gruppe interagieren im Rahmen des C1-Stoffwechsels mit Homocystein und Methionin und könnten über diesen Weg eventuell die Entstehung von Tumoren fördern.

Eine US-amerikanische Studie beleuchtete jetzt zehn Jahre lang den Einfluss der Supplementation von Vitamin B auf das Risiko für Lungenkrebs. Teilnehmer der Untersuchung waren über 77.000 Männer und Frauen, die zu Studienbeginn zwischen 50 und 75 Jahre alt waren. Alle nahmen mindestens ein Jahr lang regelmäßig entweder Multivitaminpräparate, Vitaminmonosubstanzen oder Vitamin-B-Komplex-Präparate ein.

Bei Frauen erhöhte die regelmäßige Einnahme von B-Vitaminen das Risiko für Lungenkrebs nicht. Bei den Männern hingegen waren Vitamin B6, B12 und Folat mit einem um 30 bis 40 Prozent erhöhten Risiko für ein Lungenkarzinom assoziiert. Am nachteiligsten wirkten sich die Vitamine bei Männern aus, die über den gesamten Untersuchungszeitraum von zehn Jahren die höchste Dosis an Vitamin B6 von über 20 mg/d oder B12 von über 55 mg/d eingenommen hatten. Unter Berücksichtigung von Alter und Raucherstatus verdoppelte sich das Risiko für ein Karzinom nahezu gegenüber denen, die keine B-Vitamine einnahmen.

Das Risiko für die Entstehung eines Lungenkarzinoms war besonders bei den rauchenden Männern sehr hoch. In der Gruppe der Raucher mit der höchsten Supplementierung war das Risiko unter der Einnahme von Vitamin B6 knapp verdreifacht, unter Vitamin B12 sogar knapp vervierfacht. Dies könnte daran liegen, dass die Vitamine bereits mutierte Zellen zu einem verstärkten Wachstum anregen. Warum reagieren Männer anders als Frauen auf B-Vitamine? Die Autoren vermuten, dass die im Stoffwechsel von B-Vitaminen involvierten Androgene hier eine Rolle spielen könnten.