Lungen-OP bei NSCLC: Reihenfolge der Gefäßligaturen beeinflusst Verschleppung von Tumorzellen

  • JAMA Surgery

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Es ist nicht egal, welche Gefäße bei Patienten mit Nichtkleinzelligem Lungenkrebs (NSCLC) im Rahmen einer Lobektomie zuerst ligiert werden: Beim Verschluss der Lungenvene vor der Lungenarterie werden deutlich weniger Tumorzellen in die Zirkulation gespült und dadurch offenbar auch die Überlebenschancen verbessert.

Hintergrund

Werden Tumore operativ entfernt, so besteht die Gefahr, dass dabei einzelne Zellen mit dem Blutkreislauf verschleppt werden, die später Rezidive verursachen. Es ist plausibel, dass dieses Risiko durch die Operationstechnik beeinflusst wird.

Design

Vergleich zweier unterschiedlicher Reihenfolgen bei der Ligatur von Gefäßen im Rahmen einer Lobektomie bei 86 Patienten mit NSCLC: Sie wurden in zwei chinesischen Kliniken zwischen Dezember 2016 und März 2018 operiert und so randomisiert, dass entweder die Lungenvene oder die Lungenarterie zuerst ligiert wurde. Zielkriterium waren die Dissemination von Tumorzellen durch Nachweis unmittelbar nach der Operation. Außerdem wurden die 5-Jahres-Raten für das Gesamtüberleben, krankheitsfreie Überleben und lungenkrebsspezifische Überleben von Patienten in den gleichen Krankenhäusern für die Jahre 2005 – 2017 anhand einer Lungenkrebs-Datenbank ausgewertet.

Ergebnisse

  • Unter den 78 Patienten, die ausgewertet werden konnten, wurden inkrementelle Veränderungen der zirkulierenden Tumorzellen nach 65,0 % aller OPs mit anfänglicher Arterienligatur beobachtet, aber nur 31,6 % nach Venenligatur (P = 0,003).
  • Die multivariate Analyse bestätigte, dass der Beginn mit der Arterienligatur das Risiko zirkulierender Tumorzellen erhöhte; das Chancenverhältnis HR betrug 4,03 (95%-Konfidenzintervall 1,53 – 10,63; P = 0,005).
  • Die Datenbankanalyse von jeweils 210 Patienten mit ähnlichen Charakteristika (Propensity-matching) ergab signifikant bessere Ergebnisse für die Vorab-Venenligatur:
    • 5-Jahres Überleben 73,6 % vs. 57,6 % (P = 0,002)
    • krankheitsfreies Überleben 63,6 % vs. 48,4 % (P = 0,001)
    • Lungenkrebs-spezifisches Überleben 76,4 % vs. 59,9 % (P = 0,002)

Klinische Bedeutung

Die Studie hatte vergleichsweise wenige Patienten und berichtet über zwei verschiedene Populationen von Patienten. Dennoch liefern die Autoren eindeutige Hinweise, dass die Ligatur der ausströmenden Blutgefäße bei Lobektomien von Patienten mit frühem, Nichtkleinzelligen Lungenkrebs vor der Arterienligatur erfolgen sollte, um die Dissemination von Tumorzellen zu minimieren und damit auch die Überlebenschancen zu verbessern.

Finanzierung: National Natural Science Foundation (China), Key Science and Technology Support Program of Sichuan Province (China).