Luftverschmutzung erhöht das Risiko für Missed Abortion


  • Dr. Stefanie Reinberger
  • Studien – kurz & knapp
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Kernaussagen

  • Luftverschmutzung wirkt sich negativ auf die Fortpflanzung aus und erhöht das Risiko für eine Missed Abortion – eine Fehlgeburt, bei der der abgestorbene Fötus nicht spontan ausgestoßen wird – im ersten Trimester der Schwangerschaft.
  • Die vier untersuchten Schadstoffe – Feinstaub der Partikelgröße PM2,5, SO2, O3 und CO – erhöhten dieses Risiko dosisabhängig. Es stieg mit der Konzentration der Schadstoffe an.

Hintergrund

Schlechte Luftqualität gilt weltweit als eine wesentliche Ursache für viele Erkrankungen. Auch einige Komplikationen der Schwangerschaft scheinen in diesem Zusammenhang vermehrt aufzutreten. So trägt Luftverschmutzung zu einem erhöhten Risiko für niedriges Geburtsgewicht, Frühgeburten, Schwangerschaftshypertonie und Präeklampsie bei. Auch die mütterliche Gesundheit könnte beeinträchtigt sein. Die vorliegende Studie untersucht, ob Luftverschmutzung auch das Risiko für eine Missed Abortion im ersten Trimester beeinflusst. Diese Schwangerschaftskomplikation tritt vermutlich bei bis zu 15% aller Schwangerschaften auf – wobei Frauen in Entwicklungsländern häufiger betroffen sind.

Studiendesign

Untersucht wurde der Zusammenhang zwischen Missed Abortion im ersten Trimester und Luftverschmutzung in Peking, wo sowohl diese Schwangerschaftskomplikation, als auch die Luftqualität ein ernsthaftes Problem sind. Dazu analysierten die Wissenschaftler Daten von 255.668 Frauen, die zwischen 2009 und 2017 schwanger waren und stellten sie den Daten zur Luftverschmutzung gegenüber. In die Auswertung mit einbezogen wurden Daten zu Feinstaub mit einem Partikeldurchmesser kleiner als 2,5 µm (PM2,5), Schwefeldioxid (SO2), Ozon (O3) und Kohlenmonoxid (CO). Durch stark variierende Belastung in unterschiedlichen Bezirken war es möglich, Dosis-abhängige Effekte zu ermitteln.

Hauptergebnisse

  • Unter den teilnehmenden Frauen hatten 17.497 (6.8%) eine Missed Abortion im ersten Trimester.

  • Frauen älter als 39, Bäuerinnen und Fabrikarbeiterinnen waren häufiger betroffen als andere Frauen.

  • Alle vier Schadstoffe erhöhten das Risiko für eine Missed Abortion im ersten Trimester.

  • Das Risiko steigt dosisabhängig mit der Konzentration der Schadstoffe in der Luft an.

  • Die Autoren schlagen verschiedene kausale Mechanismen vor:

    • Feinstaub PM2,5 vermag bei Langzeitexposition der Mütter die Plazentaschranke zu überwinden und schädigt so den Fötus möglicherweise direkt.

    • Luftverschmutzung induziert epigenetische Veränderungen in der Plazenta, die in allen drei Trimestern der Schwangerschaft beobachtet werden kann. Demnach ist es denkbar, dass Luftverschmutzung die Funktion der Plazenta beeinträchtigt, was sich wiederum negativ auf die Entwicklung des Ungeborenen auswirkt.

    • Schlechte Luftqualität ist signifikant mit einer erhöhten Menge an polyzyklischen artomatischen Kohlenwasserstoffen assoziiert, die sowohl in mütterlichem als auch an fetalen weißen Blutkörperchen an die DNA binden.

    • Mütter, die Luftverschmutzung ausgesetzt waren, hatten außerdem mit größerer Wahrscheinlichkeit Abnormalitäten in den Chromosomen. Langzeitexposition kann daher das Risiko für Fehl- und Totgeburten, sowie für Geburtsfehler erhöhen.

    • Erhöhte CO-Werte sind außerdem mit erhöhtem Carboxyhämoglobin assoziiert, was zu fetaler Hypoxie und dadurch zum Tod des Fötus führen kann.

Klinische Bedeutung

Die Studie zeigt, dass sich schlechte Luftqualität schädlich auf die Fortpflanzung auswirken kann und es einen Zusammenhang zwischen Luftverschmutzung und Missed Abortions gibt. Schwangere und Frauen mit Kinderwunsch sollten sich vor Luftverschmutzung schützen – nicht nur ihrer eigenen Gesundheit zuliebe, sondern auch für die Gesundheit ihrer ungeborenen Kinder.

Limitierung

Aufgrund einer starken Kolinearität zwischen PM 2,5 und CO ließen sich die individuellen Effekte der beiden Umweltgifte nicht einzeln beurteilen.

Finanzierung

National Key Research and Development Program of China, National Natural Science Foundation of China, Beijing Natural Science Foundation