Long-QT-Syndrom: Komorbiditäten weisen auf Multiorganerkrankung hin

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  • von Dr. Carola Krause
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaft

In einer landesweiten Kohortenstudie wiesen dänische Patienten mit Long-QT-Syndrom (LQTS) eine im Vergleich zur allgemeinen Bevölkerung signifikant höhere Krankheitslast durch Diabetes, neurologische und psychiatrische Komorbiditäten auf. Die Studienautoren schlagen vor, das LQTS als Multiorganerkrankung einzustufen und empfehlen, das Patientenmanagement entsprechend anzupassen.

Hintergrund

Das angeborene LQTS ist eine seltene vererbte Herzerkrankung, die zu Synkopen, malignen Arrhythmien und zum plötzlichen Herztod führen kann. Bei ungefähr 75 % der LQTS-Patienten liegt eine krankheitsverursachende, genetisch bedingte Ionenkanal-Veränderung vor, die die kardiale Repolarisation beeinträchtigt.

Darüber hinaus ist in den letzten Jahren deutlich geworden, dass extrakardiale Erkrankungen wie Epilepsie und psychische Störungen mit dem LQTS in Verbindung gebracht werden. In dem Zusammenhang ist das Konzept der „kardio-zerebralen Kanalopathien“ entstanden.

In ähnlicher Weise haben Studien eine Verbindung zwischen den LQTS verursachenden Genen und dem Risiko für Stoffwechselstörungen hergestellt.

Um die gemeinsame genetische Ätiologie zwischen dem angeborenen LQTS und Diabetes, Epilepsie und psychischen Störungen zu untersuchen wurde die Belastung der metabolischen, psychiatrischen und neurologische Komorbiditäten in einer dänischen Kohorte von Patienten mit LQTS im verglichen zur Krankheitslast in der allgemeinen Bevölkerung untersucht.

LQTS als Multiorganerkrankung

In einer retrospektive Kohortenstudie wurden 463 dänische LQTS-Patienten (LQTS) und 2315 Probanden aus der allgemeinen Bevölkerung (Kontrollgruppe) in einem Zeitraum von 2003-2017 evaluiert.

  • LQTS-Patienten hatten eine höhere Prävalenz von Vorhofflimmern (6,5 % LQTS vs. 2,3% Kontrollgruppe, p
  • LQTS-Patienten hatten eine höhere Prävalenz von psychiatrischen Störungen (13,0 % LQTS vs. 9,1 % Kontrollgruppe, p = 0,01). Der Unterschied konnte jedoch nicht auf eine bestimmte psychiatrische Erkrankung zurückgeführt werden.
  • LQTS-Patienten hatten eine höhere Prävalenz von neurologischen Störungen (22,0 % LQTS gegenüber 13,2 % Kontrollgruppe, p

Die Forscher gehen davon aus, dass das LQTS eine signifikant höhere Krankheitslast durch Diabetes, neurologische und psychiatrische Komorbiditäten aufweist. Aufgrund der retrospektiven Studienstruktur können allerdings keine kausalen Zusammenhänge hergestellt werden.

Die Wissenschaftler fordern, das LQTS als Multiorganerkrankung einzustufen und das Patientenmanagement anzupassen.  

Finanzierung: FUKAP foundation, Danish Heart Foundation