Long-COVID: 1 von 8 erwachsenen Patienten entwickelt anhaltende Symptome

  • Dr. med. Thomas Kron
  • Medizinische Nachrichten
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Von Ute Eppinger

1 von 8 Erwachsenen die mit SARS-CoV-2 infiziert sind, leidet infolge der Infektion unter Langzeitsymptomen, so die Ergebnisse einer großen niederländischen Studie, die im Lancet veröffentlicht wurde. Nach Vergleich mit der Kontrollgruppe und Korrektur für vorbestehende Symptome fanden Prof. Dr. Judith Rosmalen, Universität Groningen und Kollegen bei 12,7 Prozent eine persistierende Symptomatik.

Die Forscher sammelten Daten, indem sie die Teilnehmer der bevölkerungsbasierten Lifelines COVID-19-Kohorte baten, regelmäßig digitale Fragebögen zu 23 Symptomen auszufüllen, die häufig mit Long-COVID in Verbindung gebracht werden. Der Fragebogen wurde zwischen März 2020 und August des vergangenen Jahres 24 Mal an die selben Personen verschickt. Das bedeutet, dass die Teilnehmer, die in dieser Zeit an COVID-19 erkrankten, mit der SARS-CoV-2-Alpha-Variante oder früheren Varianten infiziert waren.

Die Teilnehmer wurden als COVID-19-positiv erfasst, wenn sie entweder einen positiven Test oder eine ärztliche Diagnose von COVID-19 hatten. Von 76.422 Teilnehmern wurden 4.231 (5,5%) Teilnehmer, die COVID-19 hatten, mit 8.462 Kontrollpersonen verglichen, wobei Geschlecht, Alter und Zeitpunkt des Ausfüllens von Fragebögen, die eine COVID-19-Diagnose dokumentierten, berücksichtigt wurden.

Die Forscher stellten fest, dass mehrere Symptome 3 bis 5 Monate nach einer COVID-19-Diagnose im Vergleich zu den Symptomen vor einer COVID-19-Diagnose und zur Kontrollgruppe neu oder stärker ausgeprägt waren: Das deutet darauf hin, dass diese Symptome als Kernsymptome von Long-COVID angesehen werden können.

Als Kernsymptome wurden Brustschmerzen, Atembeschwerden, Schmerzen beim Atmen, schmerzende Muskeln, Verlust des Tastsinns und/oder des Geruchsinns, Kribbeln in den Händen/Füßen, ein Klumpen im Hals, abwechselndes Hitze- und Kältegefühl, schwere Arme und/oder Beine und allgemeine Müdigkeit angegeben.

Der Schweregrad dieser Symptome stagnierte 3 Monate nach der Infektion und nahm nicht weiter ab. Andere Symptome, die 3 bis 5 Monate nach einer COVID-19-Diagnose nicht signifikant zunahmen, waren Kopfschmerzen, juckende Augen, Schwindel, Rückenschmerzen und Übelkeit.

„Diese Kernsymptome sind für die künftige Forschung von großer Bedeutung, da sie zur Unterscheidung zwischen einer Erkrankung nach COVID-19 und nicht COVID-19-bedingten Symptomen herangezogen werden können“, sagt Aranka Ballering, Erstautorin der Studie.

In einem begleitenden Kommentar stellen Prof. Dr. Christopher Brightling und Dr. Rachael Evans vom Institute for Lung Health der Universität Leicester fest: „Dies ist ein großer Fortschritt gegenüber früheren Schätzungen der COVID-Prävalenz bei Langzeitinfektionen, da die Studie eine angepasste nicht infizierte Gruppe einschließt und die Symptome vor der COVID-19-Infektion berücksichtigt.“ Das von Ballering und Kollegen beobachtete Symptommuster ähnelte früheren Berichten, wobei Müdigkeit und Kurzatmigkeit zu den häufigsten Symptomen gehörten.

Interessanterweise traten jedoch andere Symptome wie Brustschmerzen bei Personen mit langer COVID-Infektion häufiger auf als bei nicht infizierten Kontrollpersonen. „Die derzeitigen Erkenntnisse stützen die Ansicht, dass Long-COVID häufig vorkommt und mindestens 2 Jahre dauern kann, obwohl nur eine Minderheit eine schwere, schwächende Erkrankung aufweist“, schreiben Brightling und Evans.

Eine „beeindruckende Studie“ nennt der Intensivmediziner Prof. Dr. Christian Karagiannidis die niederländische Arbeit. „Bei 1 von 8 Patienten persistieren die Symptome über einen langen Zeitraum. Dies ist hochrelevant für Patienten, das Gesundheitssystem und die Arbeitswelt. Hier müssen wir viel investieren“, twittert der Leiter des DIVI-Intensivregisters.

 

Dieser Artikel ist im Original erschienen auf Medscape.de.