Lithotripsie vielleicht eine kommende Option bei stark verkalkten Koronarstenosen

  • Circulation&Der Kardiologe

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaften

Eine Pilotstudie hat gezeigt, dass die koronare Lithotripsie bei Patienten mit stark verkalkten Koronarstenosen den Stenosegrad reduzieren kann. Das Verfahren könnte eine Behandlungsalternative bei stark kalzifizierten Koronarstenosen werden, kommentiert Professor Dr. Nikos Werner (Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Trier).

Mehrere Therapien, mehrere Komplikationen

Starke Verkalkungen sind bei koronaren Stenosen recht häufig. Für die interventionelle Therapie stehen mehrere Verfahren zur Verfügung, zum Beispiel die Hochdruckdilatation, Ultrahochdruckdilatation und die Rotablation. Alle diese Verfahren sind laut Werner mit mehreren Komplikationen assoziiert. Besonders problematisch sind rezidivierende Instent-Restenosen aufgrund eines unter-expandierten Stents. Hier ist laut Werner oftmals eine nicht ausreichend dilatierte, kalzifizierte Plaque die Ursache, die sich mit den gängigen Methoden kaum mehr behandeln lässt. Es gebe demnach Bedarf an neuen Therapien. In einer Pilotstudie ist kürzlich die Lithotripsie (IVL: intravascular lithotripsy) geprüft worden. Bei dem Verfahren verursachen die Stoßwellen Risse in den Koronarplaques; danach kann die Stenose mit niedrigen Druckwerten aufgedehnt werden. Ähnlich wie beim Verbundsicherheitsglas einer Windschutzscheibe bekomme die Verkalkung nur Risse, ohne dass Plaquematerial embolisiere.

Einarmige Pilotstudie erfolgreich

Bei der Studie (Disrupt CAD I) handelt es sich um eine  prospektive, multizentrische- Studie mit einem Therapiearm; finanziert wurde sie vom Unternehmen Shockwave Medical. An der Studie nahmen 60 Patienten (80% Männer, 30 % Diabetiker) teil, bei denen aufgrund einer stark verkalkten Koronsarstenose die Indikation für eine Koronarintervention bestand. Der primäre Endpunkt war definiert als „klinischer Erfolg“ (Reduktion der Stenose auf

Kardiologe empfiehlt randomisierte Studien 

Die Studie sei, so Werner, bemerkenswert, da erstmals nach Einführung von „drug eluting stents“ (DES) eine echte Innovation auf dem Gebiet der Koronarintervention Marktreife erlange. Es handele sich allerdings nur um eine Pilotstudie mit einem Therapiearm. Es sei daher nicht auszuschließen, dass auch einen herkömmliche PTCA zu ähnlich positiven Ergebnissen geführt hätte. Kritisch anzumerken sei auch, dass das Ausmaß der Kalzifizierung nur angiographisch beurteilt worden sei; eine notwendige intravaskuläre Bildgebung mit Dokumentation der Verkalkung vor Patienteneinschluss sei nicht vorgesehen gewesen, erläutert Werner. Der Kardiologe, der als Interessenkonflikt die Teilnahme an der Post-Marketing-Studie Disrupt CAD II angibt, empfiehlt nun zeitnah randomisierte Studien zum Vergleich der IVL mit der Hochdruckdilatation.