Lithium-Medikation im ersten Schwangerschaftstrimester mit Fehlbildungen assoziiert


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Die Gabe von Lithium bei bipolaren und depressiven Frauen im ersten Trimester der Schwangerschaft war mit einer erhöhten Rate von Fehlbildungen assoziiert. Komplikationen während Schwangerschaft und Geburt waren unter Lithium nicht erhöht, allerdings mussten mehr Neugeborene in den ersten 28 Tagen erneut in die Klink aufgenommen werden.

Hintergrund

Der Einsatz von Lithium gegen Gefühlskrankheiten in der Schwangerschaft wird eingeschränkt durch Bedenken hinsichtlich der Teratogenität und Komplikationen bei Mutter und Kind. Diese Risiken zu quantifizieren war Ziel der aktuellen Studie.

Design

Meta-Analyse anhand der Originaldaten von Schwangeren mit Bipolarer Krankheit oder Depressionen und ihren Kindern aus 6 internationalen Kohorten und Kliniken. Erfasst wurde die Assoziation zwischen Lithium-Exposition in Utero und dem Risiko für Komplikationen während der Schwangerschaft und Geburt, der Neugeborenensterblichkeit und angeborenen Fehlbildungen.

Hauptergebnisse

  • Unter 22.124 auswertbaren Schwangerschaften waren 727 mit einer Lithium-Exposition.
  • Es fand sich keine Assoziation zwischen Lithium-Gebrauch und den vordefinierten Komplikationen der Schwangerschaft oder Geburt.
  • Der Anteil der Neugeborenen, die binnen 28 Tagen wieder in die Klinik aufgenommen werden mussten, betrug unter Lithium 27,5 % gegenüber 14,3 % in der Kontrollgruppe ohne Lithium. Das entspricht einem adjustierten Chancenverhältnis aOR von 1,62 mit einem 95%-Konfidenzintervall von 1,12 – 2,33.
  • Die Lithiumexposition im ersten Trimester war mit einem erhöhten Risiko für schwere Fehlbildungen verbunden (7,4 % vs. 4,3 %). Das aOR von 1,71 war bei einem 95%-KI von 1,07 – 2,72 signifikant, allerdings nicht für kardiale Fehlbildungen (aOR 1,54, 95%-KI 0,64 – 3,70).

Klinische Bedeutung

Trotz des teilweise signifikant erhöhten Risikos wollen die Autoren nicht zu einem völligen Verzicht auf Lithium raten. Vielmehr müssten die Risiken insbesondere während des ersten Trimesters gegen die Effektivität des Wirkstoffes bei der Verhinderung von Rückfallen der behandelten Frauen mit Gemütserkrankungen abgewogen werden.

Finanzierung: Keine.