Leitlinie zur Ernährung bei neurologischen Erkrankungen aktualisiert


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaften

Bei Patienten mit neurologischen Erkrankungen, die zum Beispiel mit einer oropharyngealen Dysphagie einhergehen, ist eine regelmäßige Prüfung des Ernährungsstatus notwendig, um Mangelernährung und Folgen wie etwa eine Sarkopenie zu verhindern. Besonders gefährdet sind alte Menschen sowie neurologisch kranke Kinder und Jugendliche, da ihr Ernährungsstatus besonders schlecht ist.

Hintergrund

Laut dem „European Brain Council“ leiden 220,7 Millionen Menschen in Europa an mindestens einer neurologischen Erkrankung. Viele dieser Patienten haben bedingt durch ihr Krankheitsbild erhebliche Schwierigkeiten, sich adäquat zu ernähren, etwa Demenz-Kranke und Patienten mit Schluckstörungen nach einem Schlaganfall oder aufgrund einer ALS. Dadurch haben diese Patienten ein erhöhtes Risiko für Mangel- und Unterernährung, verlieren an Gewicht und bauen Muskulatur ab. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin betont daher die große Bedeutung der Ernährung für diese Patienten und hat dazu kürzlich ihre Leitlinie aktualisiert. 

Häufiger Behandlungskomplikationen

„Patienten mit neurologischen Erkrankungen sind einem erhöhten Risiko für Mikronährstoffmangel und Dehydration ausgesetzt“, erklärt Professor Dr. med. Stephan C. Bischoff, Leitlinienbeauftragter der DGEM. „Sie verlieren Gewicht und bauen Muskulatur ab, was wiederum zu Einschränkungen in der Beweglichkeit und Selbstständigkeit führt“, so der geschäftsführende Direktor des Instituts für Ernährungsmedizin der Universität Hohenheim. Energie- und Nährstoffmangel beeinflussen zudem Heilungsprozesse: Bei den Patienten kommt es häufiger zu Behandlungskomplikationen, sie liegen länger im Krankenhaus, haben eine schlechtere Lebensqualität und ein höheres Sterberisiko.

In der Kinder- und Jugendmedizin ist die Gruppe der Patienten mit neurologischen Erkrankungen die mit dem schlechtesten Ernährungsstatus. „Je nach untersuchter Patientengruppe waren bis zu 68 Prozent der neurologisch erkrankten Kinder mangelernährt“, betont Privatdozent Dr. Frank Jochum. „Das ist vor allem deshalb kritisch, weil sich die jungen Patienten noch in der Wachstumsphase befinden und somit für Wachstumsstörungen, verminderte Gehirnentwicklung und andere Folgen der Mangelernährung besonders anfällig sind“, so der der Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des Evangelischen Waldkrankenhauses Spandau und Chefarzt der Klinik für Neugeborenenmedizin des Martin-Luther-Krankenhauses in Berlin-Wilmersdorf.

Empfehlungen

Damit bei einem unzureichenden Ernährungszustand schnell eingegriffen werden kann, sollten behandelnde Ärzte den Ernährungsstatus ihrer Patienten regelmäßig prüfen und bewerten. „So können eventuelle Mangelerscheinungen frühzeitig entdeckt und ihnen entgegengewirkt werden“, erklärt Bischoff.  „Manche Patienten bemerken beispielsweise gar nicht, dass sie an Schluckstörungen leiden. Deshalb ist es umso wichtiger, dass danach gezielt untersucht wird.“  Wird eine Mangelernährung oder ein erhöhtes Risiko festgestellt, können unterschiedliche Behandlungsmöglichkeiten zum Einsatz kommen, um die Nährstoffzufuhr zu erhöhen. „Je nach Krankheitsbild und Symptomatik können die Speisen zusätzlich angereichert und in ihrer Beschaffenheit und Textur angepasst werden, zum Beispiel in Form von Trinknahrung“, ergänzt Jochum.  „Neurologische Erkrankungen wie Schlaganfall oder ALS machen häufig eine Ernährung mithilfe einer Sonde notwendig. Eine künstliche Ernährung wird erst dann in Erwägung gezogen, wenn eine Sondenernährung nicht mehr möglich ist“, so der Pädiater.

Finanzierung: European Society for Clinical Nutrition and Metabolism (ESPEN)