Leitlinie der höchsten Evidenzstufe S3 für Hodentumoren ist fertig

  • AWMF

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaft

Trotz einer sehr hohen 10-Jahres-Überlebensrate gibt es auch bei Hodentumoren noch Raum für Verbesserungen, z.B. in Form einer noch besser zielgerichteten Versorgung und der Vermeidung sowohl von Über- als auch Untertherapie.

Hintergrund

Mit jährlich etwa 4000 Neuerkrankungen sind Keimzelltumoren (KZT) des Hoden in Deutschland die häufigste Krebserkrankung bei Männern zwischen 20 und 44 Jahren. Die Prognose ist gut, die 10-Jahres-Überlebensrate liegt bei 95 %. Nun soll erstmals eine Leitlinie der höchsten Evidenzstufe S3 dazu beitragen, die Therapie weiter zu optimieren. Kernelement ist dabei die systematische Recherche, Auswahl und Bewertung wissenschaftlicher Belege

Design

Federführende Fachgesellschaften sind die Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU) und die Deutsche Krebsgesellschaft, vertreten durch die German Testicular Cancer Study Group. Weitere 29 Fachgesellschaften, Arbeitsgemeinschaften etc. und ein Patientenvertreter haben mitgewirkt. Primäre Adressaten sind mit Hodenkrebs befasste Ärzte und andere medizinische Leistungserbringer. Außer der Langversion von 216 Seiten Umfang wurden bereits ein 663-seitiger Leitlinienreport und eine Kurzversion online gestellt; eine Patientenversion und eine englische Version sollen folgen. Die Gültigkeitsdauer wird auf 5 Jahre geschätzt.

Ausgewählte Ergebnisse

  • Die Inzidenz der KZT ist in allen industrialisierten Ländern lang-fristig gestiegen.
  • Anerkannte Risikofaktoren für die Entstehung von KZT sind: Vorerkrankung mit einseitigem KZT, Hodenhochstand, familiäre positive Anamnese und Infertilität.
  • Ein allgemeines Screening soll nicht durchgeführt werden, stattdessen wird jungen Männern eine regelmäßige Selbstuntersuchung empfohlen.
  • Spätestens vor Beginn einer Chemo- oder Strahlentherapie soll den Patienten die Kryokonservierung von Spermien angeboten werden.
  • Patienten mit einem metastasierten KZT der schlechten Prognosegruppe nach IGCCCG sollen an Zentren mit ausgewiesener Erfahrung behandelt werden.
  • Sowohl bei Patienten mit einem Seminom als auch bei Patienten mit einem nichtseminomatösen KZT ist die Anwendung einer adjuvanten Therapie mit einem hohen Risiko der Übertherapie verbunden, da mehr als die Hälfte dieser Patienten auch ohne adjuvante Therapie rezidivfrei bleibt.
  • Bei der Nachsorge sollte zur Minderung der Strahlenbelastung die Computertomographie des Abdomens und Beckens durch die Magnetresonanztomographie ersetzt werden.

Klinische Bedeutung

„Angesichts einer Flut hochwertiger internationaler Konsensuspapiere war die Zeit reif für eine nationale S3-Leitlinie, in der wir klare Empfehlungen für eine evidenzbasierte Diagnostik und Versorgung anhand wissenschaftlich gestützter Informationen herausgefiltert haben“, sagt DGU-Leitlinienkoordinatorin Prof. Dr. Sabine Kliesch.

Finanzierung: Deutsche Krebshilfe.