Leichte Schlaganfälle und TIA: „Fehlerlose“ Versorgung senkt Mortalität um ein Drittel

  • JAMA Network Open

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Kernbotschaft

Nach einer transienten ischämischen Attacke (TIA) oder einem leichten Schlaganfall ist die Leitlinien-gerechte Umsetzung (fast) jedes einzelnen Versorgungsprozesses mit einer niedrigeren Mortalität assoziiert, auch wenn das Risiko für einen erneuten Schlaganfall nicht signifikant reduziert wird.

Hintergrund

Es ist plausibel, dass nach einer transienten ischämischen Attacke (TIA) oder einem leichten Schlaganfall die Intensität der Therapie und der Pflege einen Einfluss auf die Mortalität haben könnten. Solche Faktoren zu identifizieren war das Ziel der vorliegenden Studie.

Design

Kohortenstudie mit 8076 Patienten, die zwischen Oktober 2010 und September 2011 in einer Notfall- oder stationären Einrichtung der US-amerikanischen Ex-Soldatenversorgung (Departement of Veterans Affairs) zwischen Oktober 2010 und September 2011 mit einer TIA oder einem leichten Schlaganfall vorstellig wurden. Mittels Multivariabler-Regressionsanalyse wurde die Assoziation von 28 definierten Behandlungs- und Pflegeprozessen mit einer „fehlerlosen“ leitliniengerechten Versorgung sowie dem Todesrisiko und dem Risiko erneuter Schlaganfälle nach 90 Tagen und nach einem Jahr bestimmt.

Ergebnisse

  • Unter den 8076 durchschnittlich 67,8 Jahre alten und zu 96 % männlichen Patienten erlitten 474 (6,1 %) binnen 90 Tagen einen weiteren Schlaganfall; innerhalb des ersten Jahres waren es 793 Patienten (10,7 %). 4 bzw. 10 Prozent verstarben innerhalb dieser Zeiträume.
  • Die folgenden 9 Prozesse waren mit einer niedrigeren Sterblichkeit nach 90 Tagen bzw. 1 Jahr assoziiert (adjustierte Chancenverhältnisse aOR und 95%-Konfidenzintervalle):
    • Bildgebung der Karotis-Arterie: 0,49; 038 – 0,63 bzw. 0,61; 0,52 – 0,72
    • Klasse der Blutdrucksenker: 0,58; 0,45 – 0,74 bzw. 0,70; 0,60 – 0,83
    • Lipid-Bestimmung: 0,68; 0,51 – 0,90 bzw. 0,64; 0,53 – 0,78
    • Lipid-Management: 0,46; 0,33 – 0,65 bzw. 0,67; 0,53 – 0,85
    • Statin-Rezept bei Entlassung: 0,51; 0,36 – 0,73 bzw. 0,70; 0,55 – 0,89
    • Intensivierte medikamentöse Cholesterin-Senkung: 0,47; 0,26 – 0,83 bzw. 0,56; 0,41 – 0,77
    • Antithrombotika binnen 2 Tagen: 0,56; 0,40 – 0,79 bzw. 0,69; 0,54 – 0,88
    • Neurologisches Konzil: 0,67; 0,52 – 0,87 bzw. 0,74; 0,63 – 0,87
    • Die Antikoagulation gegen Vorhofflimmern war erst nach einem Jahr signifikant (0,59; 0,40 – 0,85)
  • Das Risiko für einen erneuten Schlaganfall war nach mehrfacher Adjustierung mit keinem dieser Prozesse erniedrigt.
  • Die Quote der fehlerlosen Versorgung (d.h., die Patienten erhielten alle Prozesse, für die sie gemäß Leitlinie in Frage kamen) betrug 15,3 %. In dieser Gruppe war das Mortalitätsrisiko nach einem Jahr um 31 % niedriger (aOR 0,69; 95%-KI 0,55 – 0,87), aber nicht unabhängig mit dem Schlaganfall-Risiko assoziiert.

Klinische Bedeutung

Die Studie belegt und quantifiziert die Risikoreduktion durch eine Reihe weithin verfügbarer Maßnahmen und validiert damit indirekt auch die Leitlinien. Der Rat der Autoren lautet daher: „Kliniker, die sich um Patienten mit TIA oder leichten ischämischen Schlaganfällen kümmern, sollten sicherstellen, dass die Patienten im Einklang mit den Leitlinien alle Versorgungsprozesse durchlaufen, die in Frage kommen.“

Finanzierung: Department of Veterans Affairs (VA) Health Services Research and Development Service.