Leicht vermehrte psychiatrische Diagnosen nach Beatmung per extrakorporaler Membranoxygenierung

  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Patienten, die in einer kanadischen Intensivstation mit dem Verfahren der extrakorporalen Membranoxygenierung beatmet wurden, hatten in den folgenden 2 Jahren gegenüber der Kontrollgruppe ein um ca. 25 % erhöhtes Risiko für psychiatrische Diagnosen / Auffälligkeiten.

Hintergrund

Eine wachsende Zahl von Patienten mit Lungenversagen profitiert von dem alternativen Beatmungsverfahren der extrakorporalen Membranoxygenierung (ECMO). Ob die damit verbundenen Belastungen bei den Überlebenden langfristig mit psychiatrischen Symptomen assoziiert sind, wurde bisher kaum erforscht.

Design

Bevölkerungsbasierte, retrospektive Kohortenstudie mit 4462 erwachsenen Patienten einer Intensivstation in Ontario (Kanada). Unter ihnen hatten 642 eine ECMO erhalten und wurden mit 3820 Kontrollen gematcht. Die Nachverfolgungszeit, bei der neu aufgetretene psychiatrische Diagnosen erfasst wurden, betrug für die erste Gruppe 730 Tage, und für die Kontrollen 1390 Tage.

Ergebnisse

  • Die Inzidenz neuer psychiatrischer Befunde unter den Überlebenden betrug / 100 Personen-Jahre (95%-Konfidenzintervalle):
    • mit ECMO: 22,1 (19,5 – 25,1),
    • ohne ECMO: 14,5 (13,8 – 15,2)
    • Differenz: 7,6 (4,7 – 10,5).
  • Nach einer Ausgleichrechnung (propensity weighting) hatten Studienteilnehmer nach ECMO ein höheres Risiko. Das Chancenverhältnis HR betrug 1,24 (95%-KI 1,01 – 1,52).
  • Gemessen wurde auch der Substanzmissbrauch. Er war mit 1,6 versus 1,4 / 100 Personen-Jahren ähnlich, und auch bei der Rate der Selbstverletzungen (0,4 versus 0,3) gab es keine signifikanten Unterschiede.

Klinische Bedeutung

Das Risiko für psychiatrische Auffälligkeiten ist für ECMO-Überlebende „geringfügig“ erhöht, bilanzieren die Autoren. Weitere Forschungen seien nötig, um die potenziellen Mechanismen hinter dieser Beziehung aufzuklären.

Finanzierung: Institut du Savoir Montfort, Hôpital Montfort, Ottawa; Ontario Ministry of Health.