Leichenschau: mehr Fortbildung und mehr Motivation notwendig

  • Rechtsmedizin

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Für bessere Leichenschauen sind weiterhin Schulungen nötig; die Akteure sollten darüber hinaus überzeugt werden, eine wichtige und verantwortungsvolle Aufgabe zu übernehmen. 

Hintergrund

Das Leichenschauwesen in Deutschland steht seit Jahren in der Kritik; so wurden in manchen Studien erhebliche Diskrepanzen zwischen Todesbescheinigungen und Obduktions-Ergebnissen festgestellt, außerdem deutliche Mängel bei der Leichenschau wie der Verzicht auf das Entkleiden der Leiche. Immer wieder werden daher Neuerungen gefordert, die eine größere Zuverlässigkeit gewährleisten sollen. In der vorliegenden Studie sollten „Wahrnehmungen, Erfahrungen und Compliance von Krankenhausärzten im ländlichen Raum bei der Durchführung und Dokumentation von Leichenschauen“ ermittelt werden.

Design

In einem ausgewählten Landkreis und der näheren Umgebung wurden Ärzte der Fachrichtungen innere Medizin, Chirurgie und Anästhesiologie gebeten, einen Online-Fragebogen auszufüllen. Es konnten Fragebögen von insgesamt 31 Teilnehmern ausgewertet werden. 

Hauptergebnis

Von den 31 Teilnehmern gaben 19 an, dass sowohl das Entkleiden der Leiche als auch die Inspektion der Lidbindehäute grundsätzlich erforderlich sind. Über ein Drittel der Befragten benannte demnach die Anforderungen an die ärztliche Leichenschau nicht korrekt.

Klinische Bedeutung

Die kleine Umfrage unter Klinikärzten bestätigt, dass es Fortbildungsbedarf zum Thema Leichenschauen und Todesbescheinigungen gibt. Dass Schulungen die Qualität verbessern können, hat erst kürzlich eine Studie  Münchener Rechtsmediziner gezeigt. Dabei ist auch daran zu erinnern, dass Fehler bei Leichenschauen und Todesbescheinigungen als Ordnungswidrigkeit geahndet werden können. 

Allein die Tatsache, dass das Entkleiden von manchen Ärzten (hier ca. 20% der Teilnehmer) für entbehrlich gehalten werde, könne nur als alarmierend bezeichnet werden, schlussfolgern die Autoren der aktuellen Umfrage. Sowohl im Hinblick auf die Durchführung als auch auf die Dokumentation bestehe daher Verbesserungsbedarf. Eine wesentliche Verbesserung der Leichenschauqualität lasse sich jedoch nicht allein durch Kritik von außen erzielen; die Akteure selbst müssten überzeugt sein, dass die Leichenschau eine wichtige und verantwortungsvolle Aufgabe für sie sei.

Finanzierung: keine Angaben.