Lebertransplantation: "Risiko-Organe" werden mit zunehmend besserem Ergebnis transplantiert

  • JAMA Surgery

  • von Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Die 4-Jahres-Funktionsraten transplantierter Hochrisiko-Lebern haben sich zwischen 2002 und 2016 in den USA sukzessive denen mit weniger Risikofaktoren angeglichen. Die Kategorisierung von Spenderlebern als „marginal“ sollte überarbeitet werden, fordern die Studienautoren, denn diese Einteilung bewirke, dass Organe verworfen würden, die noch mit einem akzeptablen Langzeitergebnis hätten transplantiert werden können. Die Diskussion ist auch in Deutschland aktuell und im Allokationsverbund Eurotransplant, zu dem Deutschland gehört.

Hintergrund
Die Lebertransplantation ist eine Standardtherapie für Patienten mit terminaler Lebererkrankung. Ethische Erwägungen bei der Aufnahme von Patienten auf die Warteliste einerseits und der latente Organmangel andererseits haben dazu geführt, dass in vielen westlichen Nationen inklusive Deutschland zunehmend kränkere Patienten transplantiert und immer häufiger Organe von suboptimaler Qualität verwendet werden. Eine Stratifizierung der Risiken durch Merkmale des Spenders erfolgt über den Donor-Risk-Index (DRI; Eurotransplant-Verbund: ET-DRI; erweitere Spenderkriterien bei erhöhtem Spenderrisiko). In bestimmten Konstellationen, zum Beispiel einer Verfettung größerer Bereiche der Spenderleber (30-60 % oder sogar > 60 % der Hepatozyten), verschlechtern sich die Kurz- und Langzeitfunktionsraten der Organe (1). In den USA sind nun die Funktionsraten zwischen 2002-2016 auf nationaler Ebene ausgewertet worden (2).

Design

  • Multizentrische Fallkontrollstudie auf Basis der Daten des United Network for Organ Sharing (UNOS) in den USA,
  • Beobachtungszeitraum: 2002 bis 2016, aufgeteilt in 3 Zeitperioden à 5 Jahre:
    • 2002-2006
    • 2007-2011
    • 2012-2016,
  • Patienten: 75.050 Leberempfänger mit Daten vom letzten Follow-up (n = 55.395) oder Bekanntwerden des Todes (n = 19.655),
  • Endpunkt: Transplantatüberlebensraten bis zu 5 Jahren bei Verwendung von marginalen Organen, die nach dem DRI mit erhöhten Risiko klassifiziert und zu 90 % verwendet worden waren, und den unteren 10 % der transplantierten Lebern mit erhöhtem Risiko (erhöhtes Risiko im Vergleich zu den 90 %, zum Beispiel durch mehrere Risikofaktoren oder zusätzliche wie Organentnahme nach Herzkreislaufstillstand, sehr hohes Alter (70+) oder starke Leberverfettung).

Hauptergebnisse

  • Insgesamt wurden 6 verschiedene Definitionen marginaler Organe in der multivariaten Analyse berücksichtigt.
  • Unter allen Definitionen verbesserten sich die Organüberlebensraten im Verlauf der drei Zeitperioden: Im Zeitraum 2012-2016 betrug das Graft-Survival 80 % nach 4 Jahren, und zwar für alle Kategorien marginaler und nicht marginaler Organe.
  • Für die marginalen Organe hatte sich das 4-Jahres-Graft-Überleben seit der ersten Zeitperiode 2002-2006 sukzessive verbessert. Die 5-Jahresfunktionsraten entsprachen nahezu den 4-Jahres-Funktionsraten.
  • Eine kalte Ischämiezeit von  

Klinische Bedeutung
Die Studie belegt nach Meinung der Autoren, dass feste Kategorisierungen von Organen als marginal nicht sinnvoll sind. Die marginalen Organe von gestern könnten der Standard von heute sein, sofern sie geeigneten Empfängern übertragen würden. Auch die Richtlinien der Bundesärztekammer weisen daraufhin, dass eine exakte Definition von Kriterien für eine eingeschränkte Vermittelbarkeit wegen der „Vielfalt von Ursachen und Einzelheiten nicht möglich“ sei (3). Viele dieser Organe können unter den besonderen Bedingungen, wie sie das modifizierte und das beschleunigte Vermittlungsverfahren vorsehen, erfolgreich transplantiert werden.

Finanzierung: keine Angaben