Lebensqualität nach Brustkrebsoperationen korreliert mit dem Umfang des Eingriffs

  • JAMA Surgery

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Die Sexualität und die Körperwahrnehmung sind bei Frauen, die wegen Brustkrebs operiert werden müssen, nach bilateralen Mastektomien am größten, gefolgt von unilateralen Mastektomien und brusterhaltenden Eingriffen. Generell nehmen die Beschwerden mit der Zeit ab, die Unterschiede zwischen den Gruppen bleiben aber bestehen.

Hintergrund

Wie die Autoren der aktuellen Studie berichten, wählen junge Frauen, die an Brustkrebs erkranken – zumindest in den USA – zunehmend häufiger unter den therapeutischen Optionen eine bilaterale Mastektomie. Über die kurz- und langfristigen Folgen für das körperliche und psychosoziale Wohlbefinden ist allerdings wenig bekannt.

Design

Multizentrische Kohortenstudie mit 826, überwiegend weißen Frauen im durchschnittlichen Alter von 36,1 Jahren, die zwischen 2006 und 2016 an akademischen- und Allgemeinkrankenhäusern in Nordamerika mit unilateralem Brustkrebs des Stadiums 0 bis 3 diagnostiziert wurden, eine Operation erhielten, und vollständige Erhebungen zur Lebensqualität und psychosozialen Lage durchliefen.

Ergebnisse

  • 45 % der Frauen erhielten eine bilaterale Mastektomie (BM), 31 % brusterhaltende Operationen (BCS), und 24 unilaterale Mastektomien. 84 % der Frauen in den letzten beiden Gruppen erhielten eine Rekonstruktion der Brust.
  • Bei Frauen mit BM verbesserten sich körperliche Funktionen, Sexualität und Körperwahrnehmung zwar im Laufe der Zeit; sie hatten jedoch bei letzteren beiden Parametern durchgehend schlechtere Werte (adjustiert und gemittelt):
    • Körperwahrnehmung im 1. Jahr, BM versus BCS: 1,32 / 0,64; P
    • Körperwahrnehmung im 5. Jahr, BM versus BCS: 1,19 / 0,48; P
    • Sexualität im 1. Jahr, BM versus BCS: 1,66 / 1,20; P
    • Sexualität im 5. Jahr, BM versus BCS: 1,43 / 0,96; P
    • Körperwahrnehmung im 1. Jahr, BM versus UM: 1,32 / 1,15; P = 0,06
    • Körperwahrnehmung im 5. Jahr, BM versus UM: 1,19 / 0,96; P = 0,02
    • Sexualität im 1. Jahr, BM versus UM: 1,66 / 1,41; P = 0,02
    • Sexualität im 5. Jahr, BM versus UM: 1,43 / 1,09; P = 0,002
  • Ängstlichkeit („Anxiety“) wurde mit der 21 Punkte umfassenden Hospital Anxiety and Depression Scale (HADS) erfasst, wobei sich ebenfalls bei allen Gruppen Verbesserungen über die Zeit ergaben, aber signifikant oder grenzwertig signifikant höhere mittlere adjustierte Werte nach BM gegenüber BCS und UM. Bei Depressionen gab es dagegen nur minimale Unterschiede.

Klinische Bedeutung

Die vergleichsweise große Anzahl von Frauen in dieser Untersuchung liefert Wahrscheinlichkeiten für die Entwicklung der Lebensqualität junger Frauen (in Nordamerika), die sich für eine der 3 Optionen der Brustchirurgie entscheiden. Unklar ist allerdings, inwiefern diese Erkenntnisse auf Deutschland übertragen werden können – ganz unabhängig davon, wie schwierig es ist, derartige Wahrscheinlichkeiten im Patientengespräch zu vermitteln und gegen andere Faktoren abzuwägen.

Finanzierung: Agency for Healthcare Research and Quality, Susan G. Komen, und Breast Cancer Research Foundation.