Lebensmittelallergien bei Kleinkindern unter allergener Nahrung halbiert

  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Die Häufigkeit von Lebensmittelallergien, insbesondere gegen Erdnüsse, aber auch Eiweiß und Milch, wurde bei Kleinkindern durch die Zufütterung allergener Lebensmittel ab dem 3. Monat annähernd halbiert. Im Vergleich dazu hatte die Hautpflege keinen Einfluss auf die Allergierate.

Hintergrund

Die frühzeitige Einführung allergener Nahrungsmittel erschien den Autoren der aktuellen Studie als vielversprechende Strategie zur Primärprävention von Lebensmittelallergien. Sie haben dies und die Applikation gewöhnlicher Hautpflegecremes bei Kleinkindern in der Allgemeinbevölkerung erprobt.

Design

Preventing Atopic Dermatitis and ALLergies in Children (PreventADALL) ist eine Cluster-randomisierte Studie im 2 x 2 faktoriellen Design. An 2 norwegischen und einer schwedischen Klinik wurden dafür bei einer Routineuntersuchung in Woche 18 der Schwangerschaft die Mütter von 2397 Neugeborenen rekrutiert. Die 4 Gruppen bestanden aus:

  • Keine Intervention,
  • Hautintervention: Körpercremes, sowie Badezusätze und Gesichtscremes ab Woche 2 bis 9 Monaten, jeweils mindestens 4-mal / Woche,
  • Nahrungsintervention: Frühzeitige Zufütterung von Erdnüssen, Kuhmilch, Weizen und Eiern ab 3 Monaten
  • Kombinierte Haut- und Nahrungsintervention.

Primäres Studienziel waren Allergien gegen jegliche per Intervention verabreichten Nahrungsmittel im Alter von 36 Monaten.

Ergebnisse

  • In den 4, etwa gleichgroßen Gruppen wurde bei 32 Kindern eine Erdnussallergie diagnostiziert, eine Eiweißallergie bei 12 Kindern, eine Milchallergie bei 4 Kindern, jedoch keine Weizenallergie. Der Anteil der Kinder, denen eine Nahrungsmittelallergie diagnostiziert wurde, betrug:
    • Keine Intervention 2,3 %
    • Hautintervention 3,0 %
    • Nahrungsintervention 0,9 %
    • Kombinierte Intervention 1,2 %
  • Die Prävalenz von Nahrungsmittelallergien unter der Nahrungsintervention war im Vergleich zu keiner Nahrungsintervention signifikant reduziert: Die Differenz von -1,6 Prozentpunkten hatte ein 95%-Konfidenzintervall von -2,7 bis – 0,5; das Chancenverhältnis OR betrug 0,4 (95%-KI 0,2 – 0,8). Der Unterschied von Nahrungsintervention gegenüber Hautintervention war mit 0,4 Prozentpunkten kleiner und bei einem OR von 1,3 (95%-KI 0,7 – 2,3) nicht signifikant.
  • Um eine Nahrungsmittelallergie zu verhindern, mussten in dieser Studie 63 Kinder gegenüber allergenen Lebensmitteln exponiert werden. Dabei wurden keine schweren Nebenwirkungen beobachtet.

Klinische Bedeutung

Diese Studie mit unselektierten Kleinkindern spricht dafür, dass eine Exposition gegenüber häufigen allergenen Nahrungsmitteln ab dem 3. Lebensmonat eine sichere und wirksame Strategie ist, mit der die die Häufigkeit von Lebensmittelallergien in diesem kritischen Alter annähernd halbiert werden könnte.

Finanzierung: Regional Health Board South East, Norwegischer Forschungsrat, Universität Oslo und zahlreiche weitere öffentliche und private Geldgeber.