Lebenserwartung der Männer steigt mit dem Grad der Geschlechter-Gleichstellung

  • Bundesgesundheitsblatt

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Von einer Gleichstellung der Geschlechter profitieren nicht nur die Frauen, sondern auch die Männer: Sie leben nämlich um so länger, je besser Frauen und Männer einander gleichgestellt sind.

Hintergrund

Weltweit ist die Lebenserwartung der Männer geringer als die der Frauen. In Deutschland lasse sich ein Unterschied in der Lebenserwartung bei Geburt von knapp fünf Jahren zuungunsten der weiblichen Bevölkerung nachweisen, erklären die Autorinnen der vorliegenden Studie. Der Geschlechter-Unterschied variiert in internationalen Studien unter anderem mit dem Grad der Gleichstellung der Geschlechter. In der vorliegenden Studie wurde daher untersucht, ob in Deutschland zwischen den Bundesländern Unterschiede bei der Lebenserwartung der Bevölkerung bestehen und ob das Ausmaß der Gleichstellung mit den Geschlechter-Unterschieden in der Lebenserwartung assoziiert ist. Die Ergebnisse können für Präventions-Bemühungen relevant sein,  da Studien zufolge mehr als 75  Prozent der Lebenserwartungsunterschiede zwischen Frauen und Männern auf nicht-biologische Faktoren, insbesondere Verhaltensweisen (potenziell gesundheitschädliche), zurückzuführen sind.

Design

Die Autorinnen quantifizierten die Gleichstellung von Frauen und Männern mit dem Gender Inequality Index (GII) des United Nations Development Projects (um so größer der Index-Wert, desto stärker ist die Ungleichheit); die Daten der Bundesländer wurden mit der Lebenserwartung bei Geburt sowie dem Geschlechter-Unterschied in der Lebenserwartung mittels linearer Regression in Beziehung gesetzt. 

Hauptergebnisse

  • Der GII variiert zwischen 0,065 (Bayern) und 0,117 (Mecklenburg- Vorpommern:
  • Die Geschlechter-Differenz in der Lebenserwartung betrug  innerhalb Deutschlands fast zwei Jahre. 
  • Die Berechnungen belegten einen Zusammenhang zwischen der Geschlechter-Differenz in der Lebenserwartung und dem GII (R2 linear = 0,848) sowie zwischen dem GII und der Lebenserwartung männlicher (R2 linear = 0,700), nicht aber weiblicher Neugeborener (R2 linear = 0,102). 
  • Der Zusammenhang bleibt bestehen, wenn das Bruttoinlandsprodukt als Indikator für die Wirtschaftskraft berücksichtigt wird. 

​​​​​​​ Klinische Bedeutung

Die Ergebnisse belegen den Autorinnen zufolge einen klaren Zusammenhang zwischen dem Grad der Gleichstellung der Geschlechter und der Lebenserwartung von Männern. Von einer Gleichstellungspolitik, die unter anderem auf eine stärkere Erwerbsbeteiligung und politische Teilhabe von Frauen abziele, profitierten demnach in Bezug auf die Lebenserwartung vor allem die Männer. 

Die Ergebnisse stützen den Autorinnen zufolge die im Präventionsgesetz verankerte Anforderung, die Aktivitäten der Gesetzlichen Krankenversicherung mögen geschlechtsspezifischen Besonderheiten Rechnung tragen (§2b SGB V) und einen Beitrag zur Verminderung sozial bedingter sowie geschlechtsbezogener Ungleichheit von Gesundheitschancen leisten (§20, Abs. 1 SGB V).  Dahinter stecke nicht nur die Überlegung, „eine geschlechtergerechte Zielgruppenansprache und Methodik“ zu wählen, sondern auch, einen Beitrag zum Abbau gesundheitsbezogener Ungleichheit zwischen den Geschlechtern zu leisten. Die Ergebnisse der Studie legen nach Angaben der Autorinnen nahe, „dass hierunter auch eine intensivierte Gleichstellungspolitik zu verstehen ist, die sich selbstverständlich nicht nur auf die Aktivitäten des Bundesministeriums für Gesundheit bezieht, sondern vor allem die Rahmenbedingungen für eine stärkere Gleichstellung der Geschlechter in allen Ressorts in den Blick nehmen sollte“.

Finanzierung: keine Angaben