Lebensbedrohliche Infektionen: Vier klinisch relevante Typen der Sepsisausprägung beschrieben

  • JAMA

  • von Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Bei der Sepsis gibt es vier unterschiedlich schwere Formen der Manifestation in den verschiedenen Organen. Diese vier Phänotypen sind auch mit unterschiedlichem Sterblichkeitsrisiko assoziiert. Eine auf Basis einer großen Kohortenstudie vorgeschlagene neue Kategorisierung könnte helfen, die Behandlung zu verbessern (1).

Hintergrund

Sepsis ist eine lebensbedrohliche Organdysfunktion durch eine invasive Infektion mit Bakterien, Pilzen, Parasiten oder Viren (2). Die Erkrankung kann zum septischem Schock führen mit kardiovaskulärem Kollaps, der nicht auf Flüssigkeitszufuhr anspricht. Noch immer sterben 35-50 % der Patienten, die bei stationärer Versorgung einen septischen Schock bekommen (2). Die Behandlung muss rasch und adäquat erfolgen. In der Praxis aber ist sie häufig nicht optimal, auch in Deutschland nicht (3). In einer großen Kohortenstudie in den USA ist nach Untergruppen von Patienten gesucht worden, die den Weg ebnen sollen, um die Therapie besser dem Risiko anzupassen.

Design

  • retrospektive große, multizentrische Kohortenstudie mit stationär betreuten Sepsispatienten in den USA
  • 2 Kohorten:
    • „derivation cohort“ für die Identifizierung verschiedener Untergruppen von Sepsispatienten (n = 20.189; durchschnittliches Alter 64 Jahre) und
    • „validation cohort“ für die Validierung der Kategorien (n = 43.086; durchschnittliches Alter 67 Jahre)

Hauptergebnisse

Es lassen sich vier verschiedene Phänotypen der Sepsis erkennen (α, ß, γ, δ), die unterschiedlich häufig sind und mit unterschiedlichen Sterblichkeitsrisiken korrelieren. Die größte Gruppe mit dem Phänotyp α umfasst 33 % aller Patienten. Das 28-Tage-Sterblichkeitsrisiko liegt bei 5 Prozent. Patienten dieser Gruppe benötigen am seltensten eine Vasopression. Der Phänotyp ß trat bei bei 27 % auf und war mit einer 28-Tage-Sterblichkeit von 13 % assoziiert. Patienten in dieser Untergruppe waren im Durchschnitt älter (71 Jahre vs. 60 Jahre in der Gruppe α) und hatten häufiger chronische Erkrankungen und Nierenfunktionsstörungen. Phänotyp γ trat ebenfalls zu 27 % auf, hier lag die 28-Tage-Sterblichkeit aber bei 24 %. Bei Patienten aus dieser Untergruppe waren pulmonale Funktionsstörungen häufiger. Außerdem wurden chronisch erhöhte Werte von Entzündungszeichen gefunden, zum Beispiel von C-reaktivem Protein und Neutrophilen. Der δ-Typ trat bei 13 % der Sepsispatienten auf und war mit einer 28-Tage-Sterblichkeit von 40 % assoziiert. Bei Patienten dieser Untergruppe dominierten Symptome des septischen Schocks, außerdem stark erhöhte Entzündungsparameter und Leberfunktionsstörungen.

Klinische Bedeutung

Sepsispatienten lassen sich in vier Phänotypen mit unterschiedlichem Ausprägungsmuster und Sterblichkeitsrisiko unterteilen. Eckpfeiler der Behandlung von Sepsispatienten sind nach wie vor die Sanierung des Infektionsherds mit schnellstmöglicher, kalkulierter Antibiose und Volumensubstitution. Bei septischem Schock kommen Vasopressoren und gegebenenfalls Organersatztherapien zur Anwendung. Die Heterogenität des Therapieansprechens lässt sich möglicherweise auf Basis der neuen Kategorisierung besser erklären als bisher und die Behandlung besser ausdifferenzieren.

Finanzierung: öffentliche Mittel