Lebensbedrohliche Infektionen bei Kindern in Europa: Ein Teil wäre durch Impfen vermeidbar


  • Nicola Siegmund Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Bei Kindern zwischen 4 Wochen und 18 Jahren sind schwere Sepsis (zu 43 %) und nicht systemische Infektionen (zu 57 %) mit Befall des ZNS, als Pneumonie oder als Weichgewebsinfektionen die hauptsächlichen Manifestationsformen schwerer Infektionen, die einer stationären Behandlung bedürfen. Bei den Pathogenen dominieren der derzeit impfpräventable Erreger Neisseria meningitidis, gefolgt von Staphylococus aureus, Streptococcus pneumoniae und Gruppe-A-Streptokokken.

Hintergrund

Infektionen sind die Hauptursache für tödliche Verläufe von Erkrankungen bei Säuglingen und Kleinkindern bis zum 5. Lebensjahr, auch in Europa. Bislang aber gab es wenige belastbare Daten zur Frage, welche Krankheitserreger die Hauptverursacher schwerer und tödlicher Infektionen bei Kindern sind, sofern sie stationär, aber außerhalb intensivmedizinischer Abteilungen behandelt werden. In einer prospektiven Kohortenstudie des Projektes EUCLIDS mit 6 europäischen Ländern inklusive Deutschland wurden sowohl die klinische Symptomatik, als auch die Erregerverteilung bei stationär therapierten Infektionen quantitativ und qualitativ analysiert.

Design

  • prospektive internationale Kohortenstudie mit 2.844 Kindern im Alter zwischen 1 Monat und 18 Jahren (median: 39 Monate), die wegen einer Infektion in stationärer Behandlung waren
  • 98 teilnehmende Krankenhäuser in 6 europäischen Ländern (Großbritannien, Österreich, Litauen, Deutschland, Spanien, Niederlande)
  • Studienzeitraum: Juli 2012 bis Dezember 2015

Hauptergebnisse

93,4 % der Patienten überlebten die Erkrankung ohne schwere bleibende Schäden wie Beeinträchtigungen des Gehörs. Für 2.469 von 2.844 Kindern gab es Langzeit-Follow-up-Daten. Diese ergaben: 2,3 % (n = 57) starben an der Infektion: 50 an einer Sepsis, 7 an Nicht-Blutstrominfektionen. Von 47,8 % der Studienteilnehmer lagen Daten einer mikrobiologischen Untersuchung vor. Danach waren die Hauptursachen der schweren und tödlich verlaufenden Infektionen Neisseria meningitidis (22,8 % der Todesfälle), Staphylococus aureus (10,5 %), Streptococcus pneumoniae (19,3 %) und Gruppe-A-Streptokokken.

Klinische Bedeutung

Die Sterblichkeit bei Säuglingen und Kleinkindern, die wegen einer Sepsis oder schweren lokalen Infektion im Krankenhaus behandelt werden, ist in europäischen Ländern mit 2,3 % im Allgemeinen niedrig, da sich Diagnostik und Behandlung in den letzten Jahren wesentlich verbessert haben. Optimierungsmöglichkeiten gibt es nach Meinung der Autoren aber bei Impfungen, da ein Teil der Erkrankungen auf impfpräventable Erreger wie Streptococcus pneumoniae und Neisseria meningitidis zurückzuführen war. Auch würden bei Infektionen, die eine stationäre Behandlung erforderten, zu selten die Erreger charakterisiert. Obwohl es dazu gut etablierte Methoden gebe, sei dies nur bei knapp der Hälfte der Infektionen in dieser repräsentativen Studie erfolgt. Wichtig sei die Erregerbestimmung sowohl für die individuelle Therapie und Verlaufsbeobachtung, als auch unter präventiven, gesundheitspolitischen Aspekten.

Finanzierung: öffentliche Mittel