Leben ohne Transfusionen: Gentherapie bei Kindern mit ß-Thalassämie hoch effektiv


  • Nicola Siegmund Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Mutationen im ß-Globin-Gen führen zur ß-Thalassämie, bei der die Patienten durch ein anomales Verhältnis von α- zu ß-Globinketten kein funktionsfähiges Hämoglobin bilden können. Verschiedene Gentherapien auf Basis von autologen Stammzellen sind in Erprobung, allerdings nur zum Teil effektiv. In einer Phase-2-Studie ist ein neuartiger Vektor erprobt worden.

Kernbotschaften

Eine Gentherapie mit einem Lentivirus-basierten Vektor der so genannten dritten Generation mit einer Selbstinaktivierungsfunktion hat sich bei Kindern als hoch effektiv erwiesen und ermöglicht ihnen ein normales Leben. Bei Erwachsenen senkt die Behandlung immerhin den Transfusionsbedarf.

Hauptergebnisse

10 Patienten mit transfusionsabhängiger ß-Thalassämie haben die Gentherapie erhalten: 3 Erwachsene, 3 Jugendliche und 4 Kinder. Die gentherapierten Zellen werden direkt ins Knochenmark im Hüftbereich injiziert, um first-pass-Effekte zu vermeiden. Von 7 Patienten, den 3 Erwachsenen und 4 Kindern, liegen Ergebnisse vor. Die durchschnittliche Beobachtungszeit nach Behandlung lag bei 13 Monaten. Bei den erwachsenen Patienten sank der Transfusionsbedarf, 3 der 4 Kinder sind nach 12, 16 und 18 Monaten transfusionsfrei und führen ein normales Leben. Beim 4. Kind gab es keine relevanten therapeutischen Effekte. Klinisch bedeutsame Nebenwirkungen wurden nicht beobachtet, auch keine potenzielle maligne Proliferation der genetisch veränderten Blutzellen. Diese fanden sich sowohl im peripheren Blut, als auch im Knochenmark der Patienten.

Design

  • Mobilisierung von Blutstammzellen ins periphere Blut

  • Ex-vivo-Anreicherung von CD34+ Stammzellen

  • Transduktion mit dem therapeutischen Gen

  • Einfrieren der transduzierten Zellen bis zu einem optimalen Zeitpunkt für die Reinfusion

  • Konditionierung der Patienten durch Zytostatika vor Reinfusion

  • Rückgabe der gentherapierten Zellen ins Knochenmark

  • Reinfusion zuvor entnommener, aber nicht veränderter Leukozyten aus dem peripheren Blut zur besseren Erholung der Immunfunktionen

Klinische Bedeutung

Die einzig kurative Therapie bei ß-Thalassämie ist eine allogene Stammzelltransplantation. Allerdings findet sich nicht für alle Patienten ein geeigneter Spender, die Behandlung ist mit den Risiken einer Abstoßung oder Graft-versus-Host-Erkrankung verbunden und mit einer Immunsuppression. Die symptomatische Behandlung besteht aus regelmäßigen Bluttransfusionen, meist gefolgt von einer Therapie gegen die damit verbundene Eisenüberladung. Die Gentherapie mit Hilfe einer neuartigen Genfähre ist vor allem bei Kindern hoch wirksam und gut verträglich. Möglicherweise sind die Stammzellen von Kindern für eine Gentherapie zugänglicher als die von Erwachsenen, und sie wachsen besser wieder an.