Laufen an verkehrsreichen Straßen schadet Herz und Lunge


  • Susanne Kressenstein
  • Studien – kurz & knapp
Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Kernbotschaft: Wer gerne spazieren geht, sollte das seiner Gesundheit wegen lieber im Grünen tun als an verkehrsreichen Straßen. Lunge und Herz werden dankbar dafür sein.

Hauptergebnisse: Nach einem Spaziergang im Hyde Park stieg die FEV1 bei gesunden Probanden um 7,5 Prozent an. Die Pulswellengeschwindigkeit sank um 5 Prozent. Ein Fußmarsch entlang einer stark befahrenen Straße ließ die Pulswellengeschwindigkeit hingegen um 7 Prozent ansteigen und die FEV1 verbesserte sich kaum. Die Verschlechterung der Lungenfunktion korrelierte mit allen gemessenen Luftparametern, die Pulswellengeschwindigkeit hingegen nur mit der Konzentration an Ruß und Feinstaub.

Besonders deutlich waren die Auswirkungen des Feinstaubs der Oxford Street bei Probanden mit COPD.  Diese Patienten litten deutlich vermehrt unter einer Zunahme der Kurzatmigkeit, Sputumproduktion, Husten und Niesen. Zudem nahmen die Gefäße an Steifigkeit zu. Nach dem Spaziergang im Park ging es ihnen deutlich besser. Bei Herzkranken war vor allem bei denjenigen Patienten eine Zunahme der Steifigkeit der arteriellen Gefäße zu beobachten, die ihre Medikamente am Morgen weggelassen hatten. Die Autoren vermuten, dass die Arzneimittel eventuell protektiv auf die Gefäße wirken könnten.

Design: Für diese randomisierte Crossover-Studie rekrutierte man 119 Männer und Frauen ab 60 Jahren. Ein Drittel davon war gesund, ein zweites Drittel litt mit einer angiographisch nachgewiesenen ischämischen Herzkrankheit und der Rest der Patienten hatte eine stabile chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD). Alle Teilnehmer waren seit mindestens einem Jahr Nichtraucher.

Alle Teilnehmer machten einen zwei Stunden langen Spaziergang, entweder mitten in London an der stark befahrenen Oxford Street oder im grünen Hyde Park. Zwei Wochen später legten alle Teilnehmer den jeweils anderen Spaziergang zurück. Während des Laufens wurden neben der Konzentration an Rußpartikeln und Stickstoffdioxid auch der Feinstaub ermittelt und zwar sowohl der definierte Feinstaub (PM10) als auch der feine Staub, den vor allem in Dieselabgasen vorhanden ist.

Bei allen Teilnehmern wurde die forcierte Einsekundenkapazität (FEV1) vor und drei Stunden nach dem Spaziergang gemessen. Ermittelt wurde zudem die Pulswellengeschwindigkeit als Indikator für die Steifigkeit der arteriellen Gefäße. Diese Messung erfolgte eine Stunde nach jedem Laufen und am darauffolgenden Tag.

Klinische Bedeutung: Jetzt haben wir es schwarz auf weiß: Spaziergänge in grüner Umgebung sind gesünder als die an stark befahrenen Hauptstraßen. Feinstaub, Ruß und Stickstoffdioxid sind einfach nicht gesund, das steht fest. Die Autoren dieser Studie gehen davon aus, dass es sich bei dem schädlichen Einfluss auf die Arterien vor allem um Auswirkungen von Dieseltreibstoff handelt und empfehlen vor allem älteren Menschen Spaziergänge eher im Grünen. Nicht berücksichtigt wurde in dieser Studie hingegen die heilende Wirkung von Natur. Bekannt ist, dass bereits ein kurzer Aufenthalt in der Natur Stress senkt, das Selbstbewusstsein hebt und sogar messbar das Immunsystem stärkt. Erich Kästner schrieb vor langer Zeit zu diesem Thema: „Die Seele wird vom Pflastertreten krumm. Mit Bäumen kann man wie mit Brüdern reden und tauscht bei ihnen seine Seele um. Die Wälder schweigen. Doch sie sind nicht stumm. Und wer auch kommen mag, sie trösten jeden.“