Larynxkarzinom: Erste interdisziplinäre S3-Leitlinie für Deutschland


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Kernbotschaften

Die Indikationen für die verschiedenen Therapieoptionen wurden bisher uneinheitlich gestellt, die neue Leitlinie gibt nun evidenzbasierte Empfehlungen. Ist der Tumor chirurgisch entfernbar, wird grundsätzlich die Operation empfohlen. Bei lokal fortgeschrittenen, nicht komplett resezierbaren  Tumoren ohne Fernmetastasen ist die Radiochemotherapie inzwischen Standard. Sie verbessert das Gesamtüberleben im Vergleich zur Radiotherapie alleine.

Hintergrund
In Deutschland erkranken jährlich etwa 3600 Männer und 500 Frauen an einem Kehlkopfkarzinom. Zu den wesentlichen Risikofaktoren zählen chronischer Alkohol- und Tabakkonsum. Verdächtig auf das Vorliegen eines Larynxkarzinoms sind länger anhaltende Veränderungen der Stimme und des Schluckens mit Fremdkörpergefühl.

Erstmals gibt es nun eine interdisziplinäre S3-Leitlinie zur Diagnostik, Therapie und Nachsorge beim Kehlkopfkrebs (Larynxkarzinom). Sie ist eine Grundlage, um in der Praxis die optimale Behandlung für den einzelnen Patienten zu eruieren.
 

Design

- S3-Leitlinie nach dem Regelwerk der AWMF zu Früherkennung, Diagnostik, Therapie, Rehabilitation und Nachsorge des Larynxkarzinoms

Hauptergebnisse

Diagnostik

  • Bei allen Patienten mit Heiserkeit über mehr als 4 Wochen soll der Kehlkopf endoskopisch untersucht werden.
  • Ein Screening auf ein Larynxkarzinom bei Risikopopulationen wie Rauchern oder von regelmäßigen Kosumenten größerer Mengen Alkohol wird nicht empfohlen werden, da nicht nachgewiesen ist, dass die Inzidenz invasiver Karzinome und die Mortalität dadurch gesenkt werden.

Therapieempfehlungen

Die Behandlung des Larynxkarzinoms sollte interdisziplinär abgestimmt werden.

  • Ist der Tumor chirurgisch entfernbar, wird grundsätzlich die Operation empfohlen. Vor einer geplanten totalen Laryngektomie sollte auf eine Tracheotomie verzichtet werden (prätherapeutische Tracheotomie). Bei Dyspnoe kann während der Erstdiagnostik ein transorales Tumordebulking erfolgen, um eine Tracheotomie zu vermeiden.
  • In den Stadien 1 und 2 (cT1cN0 und cT2cN0) sollte entweder nur operiert werden, bevorzugt transoral, oder nur bestrahlt. Das Gesamtüberleben unterscheidet sich in diesen Tumorstadien zwischen den beiden Therapiemodalitäten nicht. Eine elektive Neck dissection ist im Stadium 1 bei glottischen Karzinomen nicht erforderlich.

Mehr als die Hälfte der Tumoren sind bei Erstdiagnose lokal fortgeschritten (Stadium 3-4; cT1-T2N+, cT3 und cT4acM0).

  • Erscheint der Tumor resezierbar, sollte möglichste eine R0-Resektion erfolgen, wenn nicht, eine primäre Radiochemotherapie. In den Stadien 3-4a sind lokoregionäre Tumorkontrolle und Gesamtüberleben nach primärer Radiochemotherapie signifikant besser als nach alleiniger Radiotherapie. Die Strahlentherapie sollte generell intensitätsmoduliert (IMRT) sein.

Klinische Bedeutung
Die krebsbedingte Sterblichkeit hat sich beim Larynxkarzinom durch Weiterentwicklungen der Therapie in den letzten Jahren EU-weit verbessert.
Insgesamt liegt die relative 5-Jahres-Überlebensrate beim Larynxkarzinom in Deutschland bei Männern bei 62 % und bei Frauen bei 65 %. Die S3-Leitlinie ist eine praxisorientierte Grundlage für die bestmögliche Therapieentscheidung bei Kehlkopfkrebs. Ihre Gültigkeitsdauer ist auf 5 Jahre angelegt.

Finanzierung: Deutsche Krebshilfe