Langzeitstudie bestätigt erhöhtes Risiko für kognitive Einschränkungen nach Hörverlust


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Kernbotschaft

Je schlechter das Hörvermögen, umso höher war das Risiko, über einen Zeitraum von 8 Jahren Einbußen bei der subjektiv ermittelten kognitiven Leistung zu erleiden.

Hintergrund

Über den Zusammenhang zwischen Hörverlusten und einem möglichen beschleunigten kognitiven Verfall gibt es bisher nur wenige Langzeitstudien.

Design

Bei dieser prospektiven Langzeitstudie wurden 10.107 Männer über 62 Jahren mit bekanntem Hörstatus, aber ohne erkennbare kognitive Einschränkungen für einen Zeitraum von 8 Jahren (2008 – 2016) verfolgt. Potenzielle Veränderungen der subjektiven kognitiven Funktionen (SKF) wurden mit einem 6 Punkte umfassenden Fragebogen ermittelt.

Hauptergebnisse

  • Bei 52.752 Personenjahren an Nachverfolgung wurden 2771 Fälle einer Verschlechterung der SKF festgestellt.
  • Hörverluste waren mit einem höheren Risiko für den Verlust an SKF assoziiert.
  • Im Vergleich zu Männern ohne Hörverluste betrug das adjustierte Chancenverhältnis RR für den Verlust an SKF für Männer mit einem geringfügigen Hörverlust 1,30, für Männer mit moderatem Hörverlust 1,42 und bei schwerem Hörverlust (aber ohne Hörhilfen) 1,54.
  • Männer mit schwerem Hörverlust, die Hörhilfen benutzten, hatten mit einem RR von 1,37 eine niedrigere Wahrscheinlichkeit für subjektive kognitive Einbußen.

Klinische Bedeutung

Die Aussagekraft der Studie ist eingeschränkt, da sie ausschließlich auf Daten älterer Männer beruht, die im Rahmen der Health Professionals Follow-Up Study (HFPS) erhoben wurden. Sie bestätigt aber frühere Untersuchungen, die bereits eine schlechtere kognitive Leistung bei Menschen mit Hörverlusten festgestellt haben, und ermittelt ein etwa 50 % höheres Risiko bei schwerem Hörverlust. Zur Frage, ob der Gebrauch eines Hörgerätes den kognitiven Verfall verlangsamen kann, lagen widersprüchliche Ergebnisse vor. Obwohl dies plausibel scheint, konnte die Vermutung auch in der aktuellen Studie nicht eindeutig bestätigt werden, da die Differenz zur Vergleichsgruppe statistisch nicht signifikant war (P = 0,4).

Finanzierung: National Institutes of Health.