Langsame Gangart im mittleren Lebensalter ein Hinweis auf beschleunigte Alterung

  • JAMA Network Open

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Eine reduzierte Gehgeschwindigkeit im 5. Lebensjahrzehnt reflektiert schlechtere physische und kognitive Leistungen und beschleunigtes Altern im Vergleich zu Personen mit unauffälliger Gangart.

Hintergrund

Bei älteren Erwachsenen korreliert die Gehgeschwindigkeit mit dem körperlichen Zerfall und der Mortalität. Ob die Gehgeschwindigkeit in frühen Lebensabschnitten ebenfalls einen prognostischen Wert hat, wurde bislang aber nicht untersucht.

Design

Die Forscher nutzten Daten von 904 Personen aus den Geburtsjahrgängen 1972 und 1973, die im Rahmen einer Langzeitstudie in Neuseeland (Dunedin Multidisciplinary Health and Development Study) bis ins Alter von 45 Jahren wiederholt untersucht worden waren. Erfasst wurden die Ergebnisse neuropsychologischer Tests in der Kindheit und Indikatoren für eine beschleunigte Alterung, Hirnstruktur, sowie physische und kognitive Funktionen im Erwachsenenalter. Diese wurde der Gehgeschwindigkeit im Alter von 45 Jahren unter 3 verschiedenen Bedingungen gegenübergestellt.

Ergebnisse

  • Die mittleren Gehgeschwindigkeiten betrugen im normalen Modus 1,30 Meter/Sekunde, 1,16 m/s beim gleichzeitigen durchführen einer Konzentrationsübung und 1,99 m/s unter maximaler Anstrengung.
  • In der statistischen Auswertung wurde der Zusammenhang zwischen verschiedenen Faktoren in Form des standardisierten Regressionskoeffizienten ß ausgedrückt, bei dem höhere (positive wie negative) Werte einen größeren Einfluss signalisieren. Demnach waren mit einem langsamen Gang unter anderem assoziiert:
    • Behinderungen ß= -0,27, schlechtere physische Funktionen wie ein schwacher Griff (ß = 0,36), schlechte Balance (0,28), schlechte Hand-Auge-Koordination (0,24)
    • beschleunigte biologische Alterung mehrerer Organe (-0,33), älteres Aussehen im Gesicht (-0,25), kleineres Hirnvolumen (0,15), Hyperintensitäten der weißen Substanz als Marker für Schäden (-0,09; alle P
  • Erwachsene mit einem niedrigeren Intelligenzquotienten und Teilnehmer mit kognitiven Verlusten zwischen Kindheit und Erwachsenenalter hatten eine geringere Gehgeschwindigkeit.
  • Schlechtere neurokognitive Funktionen waren schon ab einem Alter von 3 Jahren ebenfalls mit einer langsameren Gehweise assoziiert (ß=0,26, P

Klinische Bedeutung

Die Korrelation zwischen Gehgeschwindigkeit und allgemeiner Fitness bereits im mittleren Lebensalter wurde hier für zahlreiche Parameter dokumentiert. Darüber hinaus weisen die Daten darauf hin, dass diese Entwicklung bereits in der frühen Kindheit einsetzen und ihren Ursprung womöglich in Defiziten des zentralen Nervensystems haben könnte.

Finanzierung: National Institute on Aging, UK Medical Research Council.