Längeres Überleben beim Ovarialkarzinom nach hyperthermer Chemotherapie


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Im Vergleich zur Standardbehandlung aus Chemotherapie und zytoreduktiver Operation verlängert ein zusätzlicher Zyklus einer hyperthermen intraperitonealen Chemotherapie (HIPEC) bei Frauen mit fortgeschrittenem Ovarialkarzinom das Gesamtüberleben und das Rückfall-freie Überleben ohne zusätzliche Nebenwirkungen.

Hauptergebnisse

  • Es erlebten einen Rückfall oder starben: 110 von 123 Frauen in der Kontrollgruppe (89) %. Von den 122 Frauen, die zusätzlich eine hypertherme intraperitoneale Chemotherapie (HIPEC) erhielten, erlebten 99 einen Rückfall oder starben (81 %). Das Quotenverhältnis (Hazard ratio, HR) beträgt 0,66, das 95%-Konfidenzintervall 0,50 – 0,87, P=0,003.
  • Das mediane, Rückfall-freie Überleben betrug in der Kontrollgruppe 10,7 Monate gegenüber 14,2 Monaten in der HIPEC-Gruppe.
  • Nach einem medianen Follow-Up von 4,7 Jahren waren 62 % in der Kontrollgruppe gestorben gegenüber 50 % unter HIPEC (P=0,02).
  • Das mediane Gesamtüberleben betrug 33,9 in der Kontrollgruppe gegenüber 45,7 Monaten unter HIPEC.
  • Nebenwirkungen der Schweregrade 3 und 4 waren mit 25 % in der Kontrollgruppe und 27 % unter HIPEC annährend gleich häufig.

Design

  • Multizentrische, unverblindete Studie der Phase 3 mit 245 Patientinnen mit fortgeschrittenem Ovarialkarzinom, die sich nach einer neoadjuvanten Chemotherapie mit drei Zyklen Carboplatin und Paclitaxel stabilisiert hatten.
  • Randomisierung auf alleinige zytoreduktive Operation zur Entfernung der Metastasen oder zusätzlich (in der selben Operation) eine hypertherme intraperitoneale Chemotherapie (HIPEC) mit Cisplatin. Danach drei weitere Zyklen Chemotherapie mit Carboplatin/Pacitaxel.
  • Primärer Endpunkt war das Rückfall-freie Überleben, sekundäre Endpunkte das Gesamtüberleben und die Nebenwirkungen der HIPEC.
  • Finanzierung: Niederländische Krebsgesellschaft.

Klinische Bedeutung

Trotz Operation und Chemotherapie haben Frauen mit einem Ovarialkarzinom eine sehr schlechte Prognose. Die hier getestete Alternative aus zytoreduktiver Therapie plus einer Spülung der Bauchhöhle mit erwärmtem Cisplatin zusätzlich zur normalen Chemotherapie hat bei einer hinlänglich großen Zahl von Studienteilnehmerinnen deutliche Hinweise auf ein verlängertes Überleben und progressionsfreies Überleben erbracht. Da die Prozedur keine separate Operation erfordert und anscheinend gut vertragen wurde, scheint es angemessen, das Potential der intraperitonealen hyperthermen Chemotherapie in dieser Indikation weiter auszuloten – beispielsweise was die optimale Temperatur und den Zeitpunkt betrifft oder auch mögliche Wiederholungen der Prozedur.