Länger Tamoxifen? Das Endometriumkarzinom-Risiko verdoppelt sich


  • Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Wird eine adjuvante Hormontherapie bei Frauen mit Hormonrezeptor-positivem Brustkrebs wegen eines erhöhten Rezidivrisikos von 5 auf 10 Jahre verlängert, so verdoppelt sich das Risiko für ein Endometriumkarzinom. Der Nutzen einer regelmäßigen Ultraschalluntersuchung des Endometriums bei verlängerter Tamoxifentherapie ist unklar.

 

Hintergrund
Mehrere große randomisierte Studien haben ergeben, dass Patientinnen mit Hormonrezeptor-positivem Mammakarzinom, die mit kurativer Intention behandelt werden, aber ein erhöhtes Rezidivrisiko haben, bei einer von 5 auf 10 Jahre verlängerten Tamoxifenbehandlung seltener Lokalrezidive bekommen. Andererseits gibt es Hinweise auf ein erhöhtes Endometriumkarzinomrisiko bei längerer Hormontherapie. In einer Metaanalyse sind prospektiv randomisierte Studien auf einen solchen Zusammenhang hin analysiert worden und auf den potenziellen Nutzen regelmäßiger Untersuchungen der Uterusschleimhaut bei längerer Hormontherapie.

Design

  • Systematische Recherche in etablierten medizinischen Datenbanken wie Medline, PubMed und der Cochrane Library
  • Stichworte: „Tamoxifen“ und „extended“ und „endometrial cancer“
  • finale Analyse von 4 prospektiv randomisierten Studien mit Daten zum Vergleich
    • der Häufigkeit von Brustkrebs-Lokalrezidiven,
    • der krankheitsspezifischen Sterblichkeit,
    • der Gesamtsterblichkeit und
    • der Häufigkeit des Endometriumkarzinoms jeweils bei 5 versus 10 Jahren Tamoxifen

Hauptergebnisse

Das Risiko für ein Endometriumkarzinom erhöhte sich um den Faktor 2,29, wenn 10 statt 5 Jahre lang mit Tamoxifen therapiert wurde. Die Spannbreite der Risikoerhöhung lag zwischen dem Faktor 1,84 und 6,84 in den verschiedenen Studien. Das Risiko für ein Lokalrezidiv des Mammakarzinoms dagegen verminderte sich nicht. Auch bei der krankheitsspezifischen Mortalität und der Gesamtsterblichkeit ergab sich kein Vorteil für eine verlängerte Tamoxifentherapie. Regelmäßiger transvaginaler Ultraschall zur Messung der Endometrium-Dicke mit und ohne Doppler führte nicht zu einer Erhöhung der Detektionsrate von Endometriumkarzinomen bei asymptomatischen Frauen.

Klinische Bedeutung

Die meisten in den Studien entdeckten Endometriumkarzinome bei Frauen mit Tamoxifentherapie waren mit Symptomen wie Blutungen assoziiert. Eine von 5 auf 10 Jahre verlängerte adjuvante Behandlung mit dem selektiven Estrogenrezeptor-Modulator Tamoxifen erhöhte das Risiko für diesen Typ der Uteruskarzinome. Die Bedeutung der Routine-Surveillance auf Endomtriumkarzinome bei asymptomatischen Frauen blieb unklar. Von solchen Untersuchungen wird aber auch nicht abgeraten.

Finanzierung: Keine Angaben