Lacosamid reduziert Schmerz bei Patienten mit Small-Fiber-Neuropathie

  • de Greef BTA & al.
  • Brain
  • 01.02.2019

  • von Dr. Stefanie Reinberger
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Das Antiepileptikum Lacosamid hat einen signifikanten Effekt auf Schmerz, das allgemeine Wohlbefinden und die Schlafqualität bei Patienten mit Small-Fiber-Neuropathie (SFN).

Hintergrund

Polyneuropathien sind Erkrankungen des peripheren Nervensystems. Bei einer Unterform, der SFN, sind vor allem die dünnen, nicht von Markscheiden ummantelten Nervenfasern betroffen, die die Haut durchflechten und wichtig sind für das Vermitteln von Schmerzsignalen. SNF tritt meist im Zusammenhang mit Diabetes mellitus, aber auch im Rahmen einer Fibromyalgie, rheumatischer Erkrankungen oder bei Virusinfektionen (Hepatitis C, HIV) auf. Betroffene leiden unter brennenden Schmerzen der Extremitäten und Sensibilitätsstörungen. Eine symptomatische Behandlung mit Schmerzmitteln schlägt oftmals nicht ausreichend an. Das beeinträchtigt den Alltag der Betroffenen. Seit einiger Zeit ist bekannt, dass bei der SFN bestimmte spannungsabhängige Natriumkanäle in den Zellmembranen der Nervenbahnen eine wichtige Rolle spielen. Das Antiepileptikum Lacosamid blockiert diese Natriumkanäle. Die vorliegende Studie hat untersucht, ob Lacosamid bei SFN-Patienten sicher und zur Schmerzreduktion geeignet ist.

Studiendesign

Randomisierte, doppelblind Placebo kontrollierte Crossover-Studie. Die 24 Probanden erhielten entweder zunächst über einen Zeitraum von 8 Wochen Lacosamid (2x täglich 200g) und dann 8 Wochen lang ein Placebo oder umgekehrt. Die Schmerzmessung erfolgte anhand einer Schmerzskala („Pain Intensity Numerical Rating Scale“). Eine Schmerzreduktion um mindestens einen Skalenpunkt galt als effektive Wirksamkeit.

Hauptergebnisse

  • Bei 58,3% der Studienteilnehmer ging der Schmerz unter Lacosamid um mindestens einen Skalenpunkt zurück. Unter Placebo kam es bei 21,7 % der Probanden zu einer Schmerzreduktion.

  • 33.3 % berichteten von einer allgemeinen Verbesserung des Wohlbefindens. Unter Placebo waren es 4,3 %

  • Lacosamid verbesserte vorhandene Schlafstörungen signifikant.

  • Die Substanz hatte keine Auswirkung auf vegetative Symptome und die allgemeine Lebensqualität der Probanden.

  • Die Verträglichkeit und das Sicherheitsprofil der Substanz waren akzeptabel.

Klinische Bedeutung

Therapeutisch ist die SFN nicht einfach anzugehen“, erklärt Claudia Sommer, Universitätsklinikum Würzburg. „Natürlich müssen mögliche Krankheitsursachen behandelt werden. Oft bleibt aber nur eine symptomatische Therapie der Schmerzen – und selbst das gelingt oft nicht zufriedenstellend.“ Die Studie zeigt, dass Lacosamid einen signifikanten Effekt auf Schmerz, das allgemeine Wohlbefinden und die Schlafqualität hat. Es könnte daher eine Alternative zur Behandlung von SFN-Patienten darstellen „Lacosamid ist derzeit nur in speziellen Fällen als Antiepileptikum zugelassen, nicht für die Behandlung neuropathischer Schmerzen“, so Sommer. „Es bleibt zu hoffen, dass weitere Studien folgen – vielleicht haben wir mit der Substanz dann eine vielversprechende Option in Aussicht."

Limitierung

Kurzer Untersuchungszeitraum und kleine Probandengruppe

Finanzierung

keine Angabe