Kurze Notizen und Ratschläge von Prof. Dr. J. Rockstroh zu COVID-19 - Teil 2: TESTSTRATEGIEN AUF INFEKTIONEN MIT SARS-CoV-2


  • Ana ŠARIĆ
  • Univadis
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Prof. Dr. Jürgen Rockstroh, Spezialist für Infektionskrankheiten und derzeitiger Präsident der European AIDS Clinical Society führt uns durch das aktuelle Wissen über SARS-CoV-2: Teststrategien auf Infektionen mit SARS-CoV-2

Zu Anfang haben wir in Deutschland für die Diagnostik Abstriche aus dem Nasen-Rachen-Bereich verwendet oder aus dem tiefen Rachenraum von einer PCR-Untersuchung. Das Vorgehen ist zuverlässig bei klinischem Verdacht auf COVID-19 und bei Patienten mit Kontakt zu Infizierten, die asymptomatisch waren, aber hoch virämisch in den oberen Atemwegen. Im weiteren Verlauf der Erkrankung allerdings nimmt die Viruslast in den oberen Atemwegen tendenziell ab, und einige Patienten, die eine Lungenentzündung haben, können in der PCR-Untersuchung negativ sein, obwohl die Befunde der Bildgebung auf eine COVID-19-Erkrankung hindeuten. Um solche Fragen zu klären, sind Proben aus den tieferen Atemwegen erforderlich, darunter expektoriertes Sputum und ein Trachealaspirator oder eine bronchoalveoläre Lavage bei beatmeten Patienten.

Auch solche Untersuchungen wurden in Deutschland bald gemacht. Einer der Unterschiede in der epidemiologischen Entwicklung zwischen Deutschland und anderen Ländern ist ein rascher Anstieg positiver Befunde bei eine sehr niedrigen Sterblichkeitsrate. Der Grund ist vermutlich, dass viele asymptomatische Patienten mit SARS-CoV-2-Infektion identifiziert wurden. Der Ansatz in Deutschland ist, glaube ich, richtig und wichtig: frühzeitig testen und Menschen mit SARS-CoV-Infektion in Quarantäne schicken, um eine Übertragung auf andere Menschen zu verhindern. Eine der wichtigsten Erkenntnisse zum Testen in Europa ist, dass einige Länder nur symptomatische Patienten in späten Krankheitsstadien getestet und dann ins Krankenhaus eingeliefert haben, und all die anderen verpasst hat, die einen gutartigen Verlauf haben oder früh in ihrer Infektion asymptomatisch sind und dann auf andere übertragen können, weil sie nicht isoliert sind.

Es hat Versuche auch mit anderen Tests gegeben, Schnelltests zum Beispiel, aber es gab methodische Probleme, und bisher sind sie nicht für den Routineeinsatz verfügbar. Dann gibt es Versuche, serologische Tests zu entwickeln, so dass man sie mit Hilfe von Immunfluoreszenz- oder ELISA-Tests durchführen könnte. Es würden Antikörper gegen SARS-CoV-2 nachgewiesen. Für die akute Diagnose ist dies nicht so nützlich, weil es eine Zeit dauert, bis sich spezifische Antikörper entwickeln. 50 % der Patienten haben Antikörper nach sieben Tagen Symptome, aber die Antikörer korrelieren nicht mit der Viruslast. Wir wissen also nicht, ob die Krankheit noch besteht oder die Antikörper Zeichen einer überstandenen, früheren Infektion sind. Nach 14 Tagen haben alle untersuchten Personen Antikörper.

Die Tests auf SARS-CoV-2-Antikörper könnten wichtig sein bei der Frage, ob Menschen, die im Krankenhaus arbeiten, die Infektion schon hatten. Wenn dies der Fall ist, sind sie vor einer weiteren Infektion geschützt und könnten eingesetzt werden. Auch für Menschen, die Verwandte besuchen möchten und wissen sollen, ob sie geschützt sind, kann ein Antikörpertest hilfreich sein, nicht aber für die akute Diagnose.

Die Testkapazitäten in Deutschland sind insgesamt vergleichsweise gut. An einigen Orten aber gibt es nicht genügend Tests. Menschen wurden weggeschickt oder hatten Schwierigkeiten überhaupt eine Testgelegenheit zu finden, obwohl sie z.B. einen Partner hatten, der positiv getestet wurde. Gegenwärtig werden in Deutschland pro Woche circa 200 000 Tests durchgeführt bei einer Bevölkerung von 83 Millionen Einwohnern. Die Zahl soll erhöht werden, vor allem im Zusammenhang mit der Diskussion über die Lockerung von Kontaktbeschränkungen. Diese Strategie dürfte wichtig werden, denn je früher Infizierte erkannt und in Quarantäne geschickt werden können, desto besser lässt sich die weitere Verbreitung des Virus verhindern.