Kurze Intervention mit dem Smartphone kann Waschzwang lindern


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaft

Patienten mit krankhaften Ekelgefühlen und Waschzwang profitierten von einer einwöchigen Intervention, bei der sie sich selbst in kurzen Videos auf dem Smartphone beobachteten.

Hintergrund

Die Angst, schmutzig zu werden und sich anzustecken, ist charakteristisch für annähernd die Hälfte aller Patienten mit Zwangserkrankungen. Die Symptome, etwa exzessives Waschen, werden auf eine mangelnde kognitive Flexibilität zurückgeführt, welche in dieser Studie mittels einer Smartphone-basierten Intervention angegangen werden sollte.

Design

Drei Gruppen á 31 Patienten (zwei Drittel weiblich) mit Zwangserkrankungen wurden angewiesen, auf ihrem Smartphone eine Woche lang 4 mal täglich ein kurzes (30 Sekunden) Video anzusehen. Die erste Gruppe sah sich dabei selbst beim Händewaschen, die zweite Gruppe ein Ekel auslösendes Objekts (stark verschmutzte Toilette mit Kot), während die dritte Gruppe als Kontrolle diente und sich selbst bei der Ausführung sequentieller Handbewegungen beobachtete. Die Ergebnisse wurden in Form von Kovarianzanalysen (ANCOVA) dargestellt.

Hauptergebnisse

  • Alle Teilnehmer komplettierten die einwöchige Intervention. Sie sahen die Videos durchschnittlich 25 Mal bei einem Maximum von 28 Sitzungen.
  • Die beiden Videointerventionen führten im Vergleich zur Kontrolle zu verbesserter kognitiver Flexibilität: Gegenüber den Ausgangswerten fanden sich bei der Intradimensional–Extradimensional Set Shifting Task mit beiden Interventionen signifikante Verbesserungen in der Fähigkeit, die Aufmerksamkeit zu lenken.
  • Die Angst vor Ansteckung und der Waschzwang wurden mit der Padua Inventory Contamination Fear Subscale erfasst. Hier gab es keine signifikanten Veränderungen.
  • Mit dem selbst berichteten Obsessive-Comlusive Inventory – Revised wurde der Stress gemessen, der durch die Symptome der Zwangserkrankung im letzten Monat hervorgerufen wurde. Die Werte verbesserten sich im Vergleich zur Kontrolle unter beiden Interventionen gleich gut; zwischen den Interventionen gab es keinen Unterschied.
  • Auf der Yale-Brown Obsessive-Compulsive Scale, einem semi-strukturierten Interview zur Erfassung der Symptomatik und dem Ansprechen auf die Behandlung, verbesserten sich die Werte mit beiden Interventionen um etwa 21 % und damit signifikant besser als in der Kontrollgruppe. Wiederum gab es keinen Unterscheid in der Effektgröße zwischen den beiden Interventionen.

Klinische Bedeutung

Die Autoren heben hervor, dass man mit ihren Interventionen bereits nach einer Woche Verbesserungen bei den Exekutivfunktionen und der Symptomatik der Zwangserkrankten gesehen hat. Dies sei umso bemerkenswerter, als dass die hier erfolgreich adressierte mangelnde kognitive Flexibilität womöglich den deutlichsten neuropsychologischen Marker der Zwangserkrankungen darstelle. Ob der neue Ansatz tatsächlich eine einfache und kostengünstige Alternative beispielsweise zur kognitiven Verhaltenstherapie darstellen könnte, ist jedoch ohne vergleichende Untersuchungen schwer abzuschätzen.

Finanzierung: NIHR Cambridge Biomedical Research Centre, Wallitt Foundation, Eton College, Wellcome Trust, Medical Research Council.