Kulturelle Aktivitäten schützen ältere Menschen vielleicht vor Depressionen


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaften

Kulturelle Aktivitäten können ältere Menschen möglicherweise vor Depressionen schützen. Angesichts der vorliegenden Studien-Hinweise auf diese potenzielle präventive Wirkung sollten nun Interventionsstudien durchgeführt werden, empfiehlt Dr. Kerstin Amadori, Oberärztin am Klinikum Frankfurt Höchst (Klinik für Altersmedizin). An diesen Studien sollten insbesondere Personen mit erhöhtem Depressionsrisiko teilnehmen. „So könnte das Potenzial von Kultureinrichtungen als Orte der öffentlichen Gesundheitsförderung gehoben werden“, schreibt Amadori.

Analyse einer britischen Langzeit-Studie

Zu den Studien-Hinweisen auf einen möglichen präventiven Nutzen zähle laut der Neurologin vor allem die Ergebnisse einer Studie, die letztes Jahr online vorab publiziert wurde und nun auch in der Print-Ausgabe des „British Journal of Psychiatry“ vorliegt .

Es wurden Daten aus sechs Erhebungswellen (in zweijährigen Intervallen) der „English Longitudinal Study of Ageing" (ELSA) analysiert. Die kulturelle Betätigung wurde in Welle 2 als selbstberichtete Frequenz der Besuche von Theater, Konzert, Oper, Kino und Museum oder Galerie und Ausstellungen erfragt. Die Antworten wurden in einer Fünfpunkteskala („nie“ – „weniger als einmal im Jahr“ – „ein- oder zweimal im Jahr“ – „alle paar Monate“ – „einmal im Monat oder öfter“) zusammengefasst. 

Für die Diagnose einer Depression wurde bei jeder Welle die validierte Centre for Epidemiologic Studies Depression Scale (CES-D) eingesetzt. Zudem wurden die Teilnehmer bei jeder Welle befragt, ob seit dem letzten Erhebungszeitpunkt ärztlich eine Depression diagnostiziert worden war. Insgesamt wurden 2148 Teilnehmer in die Studie eingeschlossen, davon 52 % Frauen. Das mittlere Alter lag bei 63 Jahren.

Signifikant geringeres Depressionsrisiko

In der Folgedekade entwickelten 616 (28,7 %) eine Depression, was einer durchschnittlichen Inzidenzrate von 3,3/100 Personenjahre entspricht. Diese Rate war bei Personen, die sich nie, weniger als einmal/Jahr oder nur ein- bis zweimal im Jahr kulturell betätigten, höher (5,17, 3,80 bzw. 3,47). 

Die Berechnungen ergaben eine signifikante Risikoreduktion um 32  Prozent bei kultureller Aktivität „alle paar Monate“  und um 48 % bei einer Frequenz von „einmal im Monat oder öfter“.

Kausalzusammenhang noch nicht belegt

Die vorliegende Arbeit sei die erste Longitudinal-Studie mit Nachweis einer inversen Dosis-Wirkung-Beziehung zwischen der Frequenz von kultureller Aktivität und dem späteren Depressionsrisiko bei Älteren. Ihre wesentlichen Stärken seien das umfangreichen Datenset sowie der lange Erhebungszeitraum. Eine Limitation sei, dass sie als Beobachtungsstudie keine Kausalität beweisen könne, sondern nur Assoziationen zeigen könne.

Finanzierung: Die Autorin gibt an, keine Interessenskonflikte zu haben