Kreuzschmerzen: Welche Diagnostik und Therapie wann sinnvoll sind


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaften

Fast jeder Mensch leidet mindestens einmal im Leben an Kreuzschmerzen. Wie man diagnostisch vorgeht und behandelt, ist im Wesentlichen abhängig von der Schmerzursache. Maßgeblich hierfür sind zwei Leitlinien: Die Nationale VersorgungsLeitlinie „Nicht-spezifischer Kreuzschmerz“ und die Leitlinie „Spezifischer Kreuzschmerz“. Diagnostik und Therapie bei lumbalen Schmerzen sind auch wieder ein Thema beim Deutschen Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU) 2018 in Berlin.

Hintergrund

Akute und chronische Rückenschmerzen sind ein weltweites Problem. Betroffen sind nicht nur Menschen in wohlhabenden Ländern, sondern längst auch Menschen in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen (LMICs: low-income and middle-income countries) - Tendenz steigend („The Lancet“). 

Betroffen von lumbalen Rückenschmerzen sind laut den Autoren Menschen aller Altersgruppen. Risikoparameter sind sitzende Tätigkeit, Rauchen, Adipositas und niedriger sozioökonomischer Status. Die medizinische und volkswirtschaftliche Bedeutung ist bekannt. Nach einer aktuellen Umfrage in Deutschland hätten 75 Prozent aller Berufstätigen im vergangenen Jahr mindestens einmal Rückenschmerzen gehabt, hieß es vor einem halben Jahr  in einer Mitteilung der DAK . Jeder Vierte habe aktuell Beschwerden. Laut dem aktuellen DAK-Gesundheitsreport sind Rückenschmerzen die zweithäufigste Einzeldiagnose für Krankschreibungen. Hochgerechnet auf die erwerbstätige Bevölkerung gab es dadurch rund 35 Millionen Ausfalltage im Job. Jeder siebte Arbeitnehmer (14,4 Prozent) leidet bereits drei Monate oder länger unter Rückenschmerzen.

Vorgehen bei unspezifischen Kreuzschmerzen 

Am Anfang jeder Behandlung steht eine ausführliche Befragung und eine fachkundige körperliche Untersuchung. „Wir überprüfen gezielt mögliche Warnzeichen, die auf eine abwendbare gefährliche Erkrankung als körperliche Ursache für den Schmerz hindeuten“, erklärt Professor Dr. med. Bernd Kladny, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie. Bei 85 bis 90 Prozent der Betroffenen lassen sich solche Warnzeichen nicht finden. „Dann brauchen wir auch zunächst keine bildgebende Untersuchung wie Röntgen oder Magnetresonanztomografie“, erklärt Kladny. Die beste Therapie bei nicht-spezifischen Schmerzen ist Bewegung. Bei Bedarf kann der Patient Schmerzmittel oder Entzündungshemmer einnehmen, damit er sich wieder bewegen kann. „So verschwinden die meisten akuten nicht-spezifischen Kreuzschmerzen nach vier bis sechs Wochen auch wieder“, sagt Kladny. Nach vier bis sechs Wochen leitliniengerechter Therapie soll bei anhaltenden aktivitätseinschränkenden oder fortschreitenden Kreuzschmerzen überprüft werden, ob es nicht doch einer Bildgebung bedarf. Dies gilt auch dann, wenn der Arzt bei der Erstuntersuchung den sicheren Verdacht hat, dass eine körperliche Ursache vorliegt. 

Vorgehen bei spezifischen Kreuzschmerzen

In Ergänzung zur Nationalen VersorgungsLeitlinie Nicht-spezifischer Kreuzschmerz gibt die neue Leitlinie Spezifischer Kreuzschmerz Hinweise, wann eine organische Ursache in Betracht zu ziehen ist und welche Behandlungsoptionen sich ergeben. Besonders geht die Leitlinie ein auf die Degeneration der Wirbelbogengelenke, verschleißbedingte Erkrankungen der Bandscheiben, den Morbus Bechterew, Schmerzen durch den Kontakt der Dornfortsätze, eine Spinalkanalstenose, Wirbelgleiten, Störungen von Muskeln und Faszien und sogenannte „Blockierungen“. 

Diese krankhaften Veränderungen können Schmerzen verursachen, müssen aber nicht. „Wichtig ist immer, dass der Befund der Bildgebung zusammen mit Vorgeschichte, Symptomen und klinischem Befund des Patienten gewertet wird. Nur dann lässt sich Kreuzschmerz erklären, Bilder allein sagen wenig“, betont Kladny. Findet man Warnhinweise oder hat einen sicheren Anhalt für eine spezifische Erkrankung, dann bedarf es der fachkundigen Behandlung der zugrunde liegenden Ursache. 

Die Behandlung muss nicht zwangsläufig eine Operation sein – im Gegenteil: Wenn keine Alarmsignale wie Lähmungserscheinungen, Blutvergiftungen oder fehlende Kontrolle über Darm und Blase auftreten, ist die konservative Therapie mit Schmerz-, Bewegungs-, Physiotherapie und anderen Verfahren der Standard. Erst wenn die nicht-chirurgischen Verfahren keine Linderung bringen, können Arzt und Patient die Vor- und Nachteile einer Operation besprechen. „Um Kreuzschmerzen effektiv zu behandeln, braucht es einen klar festgelegten stringenten Plan“, betont Professor Dr. Dr. med. Werner Siebert, einer der Kongresspräsidenten des DKOU 2018.

Die Nationale VersorgungsLeitlinie „Nicht-spezifischer Kreuzschmerz“ und die S2K-Leitlinie „Spezifischer Kreuzschmerz“ sind im Internet erhältlich.

https://www.leitlinien.de/nvl/kreuzschmerz

https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/033-051.html