Krebsrisiko von Neurodermitis-Kranken: Meta-Analyse liefert widersprüchliche Daten

  • JAMA Dermatology

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaft

Die Zusammenhänge zwischen einer Neurodermitis und dem Risiko für unterschiedliche Krebserkrankungen konnten auch in einer großen Meta-Analyse nicht eindeutig geklärt werden.

Hintergrund

Bei der Neurodermitis ist die Schutzfunktion der Haut beeinträchtigt und Funktionen des Immunsystems sind verändert. Dies hat zu der Befürchtung geführt, dass die Patienten möglicherweise ein erhöhtes Risiko haben könnten, an Krebs zu erkranken. Die bislang vorliegenden Daten sind allerdings widersprüchlich.

Design

Systematische Übersicht und Meta-Analyse zur Häufigkeit kutaner und nicht-kutaner Krebserkrankungen bei Patienten mit Neurodermitis anhand von Publikationen der Datenbanken MEDLINE und Embase im Zeitraum 1946 bis 1980. Eingeschlossen wurden Beobachtungsstudien mit Patienten- und Kontrollgruppen. Berichtet werden standardisierte Inzidenzraten (SIRs) und Chancenverhältnisse (OR).

Ergebnisse

  • Die Forscher fanden 8 Bevölkerungs-basierte Kohortenstudien mit annähernd 6 Millionen Teilnehmern und 48 Fall-Kontroll-Studien mit ca. 114.000 Teilnehmern.
  • Bei den Kohortenstudien fand man eine erhöhte Wahrscheinlichkeit unter Neurodermitikern für:
    • Karzinome der Keratinozyten (Basal-Zell-Karzinom und Plattenepithelkarzinom) mit einer gepoolten SIR aus 5 Studien von 1,46 (95%-Konfidenzintervall 1,20 – 1,77),
    • Nierenkrebs, 2 Studien, SIR 1,86 (95%-KI 1,14 – 3,04),
    • Krebs des Zentralen Nervensystems, 2 Studien, SIR 1,81 (95%-KI 1,22 – 2,70),
    • und Pankreaskrebs, 1 Studie, SIR 1,90 (95%-KI 1,03 – 3,50).
  • Im Gegensatz zu den vorherigen Befunden fand man bei den Fall-Kontroll-Studien eine (ebenfalls statistisch signifikant) niedrige Wahrscheinlichkeit für:
    • Krebs des Zentralen Nervensystems, 15 Studien, SIR 0,76 (95%-KI 0,70 – 0,82), und
    • Pankreaskarzinome, 5 Studien, SIR 0,81 (95%-KI 0,66 – 0,98).
  • Weiterhin fand man in 4 Fall-Kontroll-Studien ein erniedrigtes Risiko für Krebserkrankungen der Lunge und des Atemsystems (gepoolte OR 0,61; 95%-KI 0,45 – 0,82).

Klinische Bedeutung

Wie die Wissenschaftler berichten, gab es auch bei den Studien zu weiteren Krebserkrankungen eine große „Heterogenität“ der Resultate. Sie verbinden dies mit einem Plädoyer für weitere Forschungen auf diesem Gebiet, jedoch könnte die aktuelle Untersuchung auch als Mahnung dienen, dass die Qualität und Aussagekraft von Meta-Analysen derjenigen großer Einzelstudien nicht unbedingt überlegen ist.

Finanzierung: Keine Angaben.