Krebsmedizin: Stimmen für eine späte Nutzenbewertung werden lauter

Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Stuttgart (pag) – Die Fortschritte im Bereich der Diagnose und Therapie von Blut- und Krebserkrankungen stehen in diesem Jahr im Fokus der Jahrestagung der Deutschen (DGHO), Schweizerischen (SGMO) und Österreichischen Gesellschaften für Hämatologie und Medizinische Onkologie. Die Veranstaltung bietet den deutschen Experten auch eine Plattform, erneut für eine späte Nutzenbewertung zu plädieren.

 

 

 

Grundlage hierfür könnten laut Prof. Carsten Bokemeyer, Geschäftsführender Vorsitzender der DGHO, Daten aus Versorgungsregistern und unabhängigen klinischen Studien sein, die von Bund und Kassen finanziert werden sollen. Als Beispiel mit Vorbildcharakter bringt Bokemeyer den Nationalen Krebsplan ins Spiel, der im Jahr 2008 ins Leben gerufen wurde.

 

Die Fachärzte in der Schweiz scheinen weniger Probleme mit der Nutzenbewertung zu haben. Dort werden Medikamente seit 2009 alle drei Jahre dahingehend überprüft, ob sie noch die Kriterien für die Aufnahme in den Leistungskatalog erfüllen. Stattdessen stünden die Eidgenossen vor Herausforderungen, wenn es um die Sicherstellung des Zugangs zu neuen Arzneimitteln geht, wie Prof. Markus Borner, Co-Präsident der SGMO, beschreibt. Zurzeit erhielten die Patienten noch die besten Arzneimittel unabhängig von ihren individuellen finanziellen Möglichkeiten. „Limitierend ist derzeit einzig der Status der Medikamente in punkto Registrierung für die jeweilige Tumorsituation.“ Zudem werde laut Borner – ähnlich wie in Deutschland – auch in der Schweiz eine beachtliche Menge der Onkologika off label eingesetzt. Der Gesetzgeber habe für diese Fälle dem sogenannten Vertrauensarzt der jeweiligen Krankenkasse die Entscheidung zur Kostenübernahme zugewiesen. Dieser müsse anhand der WZW-Kriterien (Wirksamkeit, Zweckmäßigkeit, Wirtschaftlichkeit) bestimmen, ob die Kostenübernahme gerechtfertigt ist. „Diese Situation ist unbefriedigend, denn in vielen Fällen fehlt die solide Grundlage für eine solche Entscheidung. Das führt zu zeitaufwändigen Diskussionen zwischen behandelndem Onkologen und Kassenarzt“, sagt Borner. Gesprächszeit, deren Vergütung vor Kurzem von den Kassen gekürzt wurde, so der Schweizer Experte.