Krebs und COVID-19: Französische Empfehlungen für Onkologen

  • Liang W & al.
  • Lancet Oncol
  • 01.03.2020

  • von Ben Gallarda
  • Studien – kurz & knapp
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Dieser Artikel wurde übersetzt aus „Cancers solides et COVID-19 : les recommandations du HCSP“ auf der französischen Medscape-Website und enthält eine Zusammenfassung der vorläufigen Empfehlungen der französischen Gesundheitsbehörden für solide Tumoren und COVID-19.

Krebspatienten gehören zu der am stärksten von COVID-19 betroffenen Gruppe. In diesem Zusammenhang hat das französische Hohe Komitee für öffentliche Gesundheit (HCSP) am 15. März Empfehlungen für Onkologen herausgegeben.1 Sie empfehlen die Isolierung onkologischer und strahlentherapeutischer Abteilungen oder Einheiten. Aber ist dies ein realistisches Ziel? Dr. Manuel Rodrigues, Onkologe am Curie-Institut und Präsident der Französischen Krebsgesellschaft (Société Française du Cancer, SFC) gibt diese Kommentare ab.

Hochrisiko-Patienten

Als Vorwort erinnert uns das HCSP daran, dass nach den jüngsten Erfahrungen aus China2 die Rate der COVID-19-Infektionen bei Krebspatienten höher ist als in der Allgemeinbevölkerung (1% gegenüber 0,29%), obwohl dies durch eine stärkere medizinische Überwachung bei diesen Patienten erklärt werden könnte.

Besorgniserregender ist, dass bei infizierten Patienten das Risiko schwerwiegender, beatmungspflichtiger respiratorischer Komplikationen bei Krebspatienten höher ist als bei Patienten ohne Krebs (39% vs. 8%; p=0,0003). Ein wichtiges prognostisches Kriterium für das Risiko, schwere respiratorische Komplikationen zu entwickeln, ist Chemotherapie in der Anamnese oder eine Operation in den vorangegangenen Monaten (OR 5,34; p=0,0026).

Schließlich ist die Rate der respiratorischen Verschlechterung bei Krebspatienten schneller, im Durchschnitt 13 vs. 43 Tage (HR 3,56; 95% KI 1,65-7,69).

„Abteilungen als Schutzzonen“?

„Insgesamt hatten Patienten mit soliden Tumoren, besonders jene, die in den vergangenen Monaten mit einer Operation oder Chemotherapie behandelt wurden, ein höheres Risiko, rasch schwere tödliche Krankheitsformen zu entwickeln, als die Allgemeinbevölkerung. Sie sollten daher so weit wie möglich vom Infektionsrisiko ferngehalten werden“, so das HCSP.

Laut HCSP ist daher die allgemeine Regel, dass Abteilungen „Schutzzonen“ werden sollten.

  • Medizinische Onkologie- und Strahlentherapieabteilungen sollten keine mit COVID-19 infizierten Patienten aufnehmen, unabhängig davon, ob sie Krebs haben oder nicht.
  • Medizinische Onkologie- und Strahlentherapieabteilungen sollten keine Patienten mit Verdachtssymptomen für eine COVID-19-Infektion aufnehmen.
  • Wenn die Behandlung von Patienten, die mit COVID-19 infiziert sind, erforderlich ist, wäre die Isolierung dieser Patienten in bestimmte Bereiche notwendig.

Nach diesem Thema gefragt antwortet Dr. Rodrigues: „In Regionen, die stark von der Epidemie betroffen sind, gibt es auf den Stationen bereits COVID-19-Patienten. Es ist jetzt unmöglich, für eine Isolation zu sorgen. Wir müssen schnell darüber nachdenken, wie wir Patienten und Pflegepersonal schützen können. Ganz zu schweigen von den ethischen Problemen, die sich im Zusammenhang mit den Beatmungsmöglichkeiten für diese Patienten ergeben werden, die sehr schnell sehr ernst werden, aber auch was die Unterstützung der Patienten und ihrer Familien betrifft. Schließlich müssen wir klar bestimmen, welche Verfahren bei Verschlechterung der Protokolle, Mangel an Blutprodukten verschoben werden können…“.

Priorisierung der Versorgung

Zur Frage der Priorisierung der Versorgung stellt das HCSP fest, dass „die Priorisierung bei der Auswahl der zu betreuenden Patienten die Art der therapeutischen Strategie (kurativ versus palliativ), das Alter der Patienten, die wahrscheinliche Lebenserwartung und ob die Diagnose neu ist oder nicht, berücksichtigen sollte“.

Die Priorisierung sollte sich nach der folgenden absteigenden Reihenfolge orientieren:

  1. Patienten mit Krebs, für die die therapeutische Strategie kurativ ist, wobei Patienten
  2. Patienten mit Krebs, deren therapeutische Strategie bei jungem Lebensalter (
  3. Patienten mit Krebs, deren therapeutische Strategie zu Beginn der Behandlung palliativ ist (erste Behandlungslinie).
  4. Andere Patienten mit Krebs, deren therapeutische Strategie palliativ ist.

Um die Notwendigkeit von Krankenhausaufenthalten zu begrenzen, sollten bei Patienten, die sich einer nicht-kurativen Behandlung unterziehen, die Anwendung von oralen Behandlungen, die Verabreichung zu Hause und sogar therapeutische Pausen bevorzugt werden.

Krebspatienten mit COVID-19

Bei infizierten Patienten sollten die Krebsbehandlungen, solange keine Ausnahme gemacht wird, eingestellt werden, während die Virusinfektion behandelt wird. Wenn ein Krankenhausaufenthalt notwendig ist, werden die Patienten in anderen medizinischen Abteilungen oder Einheiten behandelt, die an der Bekämpfung des Virus beteiligt sind. Ihnen sollte Priorität gegeben werden, da sie einem höheren Risiko ausgesetzt sind, schwere Formen der Krankheit zu entwickeln.

Mitglieder der Arbeitsgruppe für die Empfehlungen:

  • Koordinator: Prof Benoit YOU (CHU de Lyon, HCL)
  • Dr Anne CANIVET (CLCC François Baclesse, Caen)
  • Dr Thomas GRELLETY (Centre Hospitalier de la Côte Basque, Bayonne)
  • Dr Gérard GANEM (Centres Privés de l’Ouest)
  • Dr Laure KALUZINSKI (CHG de Cherbourg)
  • Pr Ivan KRAKOWSKI (ex CLCC Institut Bergonié Bordeaux, AFSOS)
  • Pr Jean-Pierre LOTZ (CHU Paris, APHP)
  • Dr Didier MAYEUR (CLCC GF Leclerc, Dijon, AFSOS)
  • Pr Alain RAVAUD (CHU de Bordeaux)
  • Pr Rosine GUIMBAUD (CHU de Toulouse).