Krebs-Langzeitüberlebende: erhöhtes Risiko für Herzgefäß-Erkrankungen


  • Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Menschen, die als Kinder oder Jugendliche an Krebs erkrankt waren und erfolgreich behandelt wurden, haben als Erwachsene früher als andere Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen und Herzgefäß-Krankheiten. 

Hauptergebnisse

  • Die Autoren ermittelten eine Risikozunahme für Bluthochdruck um 38 Prozent, für Fettstoffwechselstörungen um 26 Prozent.
  • Im Vergleich zur Normalbevölkerung treten diese Risikofaktoren bei den Krebs-Langzeitüberlebenden sechs und acht Jahre früher auf.
  • Keine Unterschiede wurden bei den Parametern Adipositas und Diabetes mellitus festgestellt
  • Eine manifeste kardiovaskuläre Erkrankung hatten 4,5 Prozent (in der Mehrzahl bereits im Alter von unter 40 Jahren). Die ermittelte Risikozunahme betrug 89 Prozent. Am häufigsten waren Herzinsuffizienz und venöse Thromboembolien.

Design

Untersucht wurden 951 Erwachsene (23 bis 48 Jahre), die als Kinder oder Jugendliche an Krebs erkrankt waren. Erhoben wurden außerdem Informationen über die damalige Krebstherapie; zudem wurden die Probanden gefragt, ob sie rauchen und ob es in der Familie bereits Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Untersuchungs-Ergebnisse wurden mit denjenigen von 15.000 Menschen aus der übrigen Bevölkerung verglichen. Finanzierung: Deutsche Forschungsgemeinschaft.

Klinische Bedeutung

Die Ergebnisse dieser Studie (CVSS-Studie: „Cardiac and vascular late sequelae in long-term survivors of childhood cancer“) zeigen nach Angaben der Autoren um Professor Jörg Faber (Kinderonkologisches Zentrum Mainz), dass frühere Krebspatienten ein deutlich höheres Risiko haben, schon relativ früh klassische Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörungen zu entwickeln. Laut Professor Philipp Wild, ebenfalls CVSS-Studienleiter und Seniorautor der Arbeit, wurde bei fast 80 Prozent der Betroffenen (207 von 269 ) erhöhte Fettwerte erst bei den mit der Studie assoziierten klinischen Untersuchungen festgestellt. Ähnlich sei es beim Bluthochdruck gewesen.

Die Autoren fordern daher, dass frühe Screeningprogramme, die insbesondere Bluthochdruck und erhöhte Fettwerte im Fokus haben, fester Bestandteil einer strukturierten Krebsnachsorge werden sollten – unabhängig davon, um welche Krebsart es sich handelt. Die bisherige Nachsorge erfolgt lediglich für fünf bis zehn Jahre – und zielt hauptsächlich darauf ab, das erneute Auftreten der Krebserkrankung zu vermeiden. Darüber hinaus empfehlen aktuelle Leitlinien regelhafte Herz-Kreislauf-Untersuchungen nur bei ganz bestimmten Tumorarten. „Um eine optimale Nachsorgestrategie zu entwickeln, bedarf es aber noch weiterer Studien“, betont Professorin Maria Blettner (Institut für Medizinische Biometrie, Epidemiologie und Informatik), ebenfalls Studienleiterin und Autorin.

Herzgefäß-Krankheiten sind nicht die einzigen Spätfolgen nach einer Tumor-Therapie. Zu den bekannten Spätfolgen einer Krebsbehandlung im Kindesalter gehören laut einer Übersichtsarbeit unter anderen Störungen endokriner FunktionenHörverluste durch Platinderivate, Einschränkungen der Nierenfunktion, kognitive Leistungsstörungen und Fatigue.