Krebs durch Pommes? Acrylamid-Verordnung tritt in Kraft


  • Susanne Kressenstein
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaft: Am dem 11. April 2018 müssen stärkehaltige Lebensmittel wie Kartoffeln und Getreide schonender zubereitet werden. Ziel ist eine Reduktion des gesundheitsschädlichen Stoffs Acrylamid.

Hintergrund: Acrylamid in Lebensmitteln erhöht das Krebsrisiko für Verbraucher aller Altersgruppen, bestätigte die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit im letzten Jahr. Der krebserregende Stoff entsteht, wenn stärkehaltige Lebensmittel wie Kartoffelprodukte oder Brot gebacken oder frittiert werden. Das Aufkommen von Acrylamid in Speisen hängt vom Zucker- und Stärkegehalt der Nahrungsmittel ab. Sobald die Temperatur über 170 bis 180 Grad steigt, explodiert der Acrylamid-Wert schlagartig.

Ergebnisse: Pommes frites, Rösti, Kroketten und Kartoffelchips: Vor allem in verarbeiteten Kartoffelprodukten befinden sich oft deutlich erhöhte Werte für Acrylamid. Aber auch Getreideprodukte wie Kekse, Kräcker, Knäckebrot oder Toast enthalten oft viel zu viel dieses krebserregenden Stoffes.

Die neue Verordnung gibt verbindliche Verfahrensvorschriften, um den Gehalt an Acrylamid in bestimmten Lebensmittelgruppen zu verringern. Dabei wurde versucht, möglichst pragmatische Lösungen auch für kleinere Unternehmen wie Restaurants und Bäckereien zu finden. Allein durch die Wahl der Kartoffel- und Mehlsorten lässt sich schon viel bewirken.

Auch der CDU-Europaabgeordnete Dr. med. Peter Liese begrüßt die Verordnung: „Acrylamid ist nicht nur wesentlich gefährlicher als das aus dem Eier-Skandal bekannte Fipronil und das Pflanzenschutzmittel Glyphosat, sondern auch beispielsweise als Stickoxide, die im Moment die Diskussion um die Fahrverbote in Deutschland bestimmen. Im Gegensatz zu den vorgenannten Stoffen ist es in der Wissenschaft so gut wie unumstritten, dass Acrylamid in den Dosen welches viele Menschen zu sich nehmen, dass Risiko erhöht, an Krebs zu erkranken. Es handelt sich um ein echtes Gesundheitsproblem. Die Mengen, die insbesondere Jugendliche und junge Erwachsene zu sich nehmen sind erheblich.“

Klinische Bedeutung: Ein erheblicher Teil der Belastung mit Acrylamid entsteht nicht durch gekaufte Produkte, sondern in der eigenen Küche. Die Verbraucherzentrale hat deswegen Informationen zusammengefasst, die helfen sollen, die Acrylamidlast im eigenen Haushalt möglichst gering zu halten. So sollten beispielsweise Kartoffeln stets kühl und dunkel, aber nicht im Kühlschrank gelagert werden, da sich sonst der Zuckergehalt erhöht, der dann bei der Zubereitung die Bildung von Acrylamid fördert.

Der europäische Verbraucherverband Beuc sieht in der Verordnung einen ersten Schritt in die richtige Richtung, vermisst aber „rechtlich verbindliche Obergrenzen“ für Acrylamid.