Krebs bei Kindern: Neue Therapieoptionen auf Basis systematischer Genanalysen


  • Nicola Siegmund Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Ein Konsortium aus deutschen und US-amerikanischen Forschern hat die Genome von Tumoren bei Kindern sequenziert und viele  Unterschiede zu Malignomen von Erwachsenen gefunden ( 1 ) .

Kernbotschaften

Bösartige Tumore bei Kindern haben im Durchschnitt weniger Mutationen als die von Erwachsenen, und diese sind häufiger krankheitsspezifisch. Bei circa 50 % der Malignome von Kindern gibt es mindestens eine Genveränderung, die eine Therapie mit gezielten Medikamenten möglich macht (targeted therapy). Das Behandlungspotenzial wird noch nicht ausreichend genutzt.

Hauptergebnisse

Die deutschen Teams untersuchten an 961 bioptischen Präparaten aus 24 Tumorentitäten komplett die Genome oder die Exome (alle exprimierten Gene). Die US-Teams analysierten Malignome von 1.699 Patienten, vor allem Leukämien, aber auch Nephroblastome und Osteosarkome.

Es gab 4 wesentliche Unterschiede zu Tumoren bei Erwachsenen:

  •  Malignome bei Kindern haben im Durchschnitt weniger Mutationen (Faktor 14), die Zahl der somatischen Mutationen steigt aber mit zunehmendem Alter. Tumore mit mehr als 10 Mutationen/MegaBP, häufig hervorgerufen durch Mismatch-Repair-Deficiencies, sind bei Kindern auf sehr wenige Entitäten beschränkt.
  • Bei pädiatrischen Tumoren lassen sich häufiger, nämlich zu 57 %, einzelne Treibermutationen identifizieren. Es wurden 149 onkogene Varianten (Treiber-Veränderungen) gefunden: im Wesentlichen kleine Mutationen und Strukturvarianten (z.B. Variation der Kopienzahl).
  • Die Genveränderungen betreffen häufiger die Keimzellen (7,6 % Keimbahn-assoziierte pathologische Mutationen).
  • Die Mutationen sind häufiger als bei Erwachsenen krankheitsspezifisch. Bei Krebserkrankungen von Erwachsenen werden krankheitsübergreifend oft dieselben Mutationen gefunden, was bereits Auswirkungen auf die Klassifikation von Tumoren hat.

Design

  • Whole-genome- oder whole-exome-sequencing der Tumore von Patienten
  • Vergleich der Ergebnisse mit existierenden Krebsgenomdatenbanken

Klinische Bedeutung

Malignome sind zwar bei Kindern selten, aber jedes fünfte Kind kann nicht geheilt werden. In Deutschland gibt es jährlich circa 1.750 Neuerkrankungen(2). Am häufigsten sind Leukämien (ein Drittel der Malignome bei Kindern), ZNS-Tumoren (ein Viertel) und Lymphome (ein Zehntel). Die systematisch erarbeiteten molekulargenetischen Daten sollten Motivation sein, in klinischen Studienprogrammen mehr zielgerichtete Substanzen zu untersuchen, vor allem für die Erstlinienbehandlung von krebskranken Kindern, so die Autoren. Hier gebe es erheblichen Nachholbedarf.

Die detallierten Analysergebnisse stehen auf zwei Portalen zur Verfügung (3).