Kosten für die Versorgung HIV-positiver Patienten – Studie aus der Schweiz


  • Stefanie Reinberger
  • Medizinische Nachrichten
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Kernaussage

Die durchschnittlichen Kosten für die Versorgung HIV-Positiver in der Schweiz beliefen sich in den Jahren 2012 und 2013 auf 30462 § (26.950 €, 30.638 CHF) bzw. 30965 $ (27.395 €, 31.144 CHF). Der Hauptanteil von rund 70 % der Kosten fiel dabei auf die antiretrovirale Therapie in der ambulanten Behandlung.

Hintergrund

Um den aktuellen und zukünftigen Bedarf für die Versorgung HIV-positiver besser einschätzen zu können, wurden Zahlen zu den aktuellen Kosten sowie die genutzten Ressourcen ermitteln.

Studiendesign

Daten aller antiretroviral behandelten Versicherungsnehmer der größten Schweizer Krankenversicherung Helsana (n = 2.355) wurden anonym mit Daten der Schweizerischen HIV-Kohortenstudie (Swiss HIV Cohort Study, SHCS, n = 9.326) aus den Jahren 2012 und 2013 verknüpft. Ermittelt wurden die gesamten Gesundheitskosten in den Jahren 2012 und 2013 pro Patient in der HIV-infizierten Schweizer Bevölkerung. Die Patienten wurden zudem in drei Gruppen mit niedrigem, mittlerem und hohem Risiko für zusätzliche Ressourcennutzung eingestuft.

Hauptergebnisse

  • In den Jahren 2012 und 2013 beliefen sich die Kosten für die Versorgung HIV-Infizierter in der Schweiz auf durchschnittlich 30.462 $ bzw. 30.965 $ pro behandelter Person.

  • Der Hauptanteil der Kosten entfiel dabei auf die ambulante Versorgung (antiretrovirale Therapie und Laboruntersuchungen). Die Kosten hierfür betrugen 21.489 $ in 2012 und 21.158 $ in 2013.

  • In der Studie wurden drei Risikogruppen für erhöhte Ressourcennutzung ermittelt.

  • Personen mit niedrigem Risiko sind meist ≤59 Jahre alt, (92.1%) männlich (81.3%), besitzen einen höheren Bildungsstandard (80.9%), trinken wenig oder keinen Alkohol (82.6%), konsumieren aktuell keine illegalen Drogen und rauchen nur mit einer mittleren Wahrscheinlichkeit. Sie hatten zudem meist noch keine AIDS-Symptome (81.7%). Kardiovaskuläre Erkrankungen wurden in dieser Gruppe nicht entdeckt (0%), das Risiko für psychiatrische Begleiterkrankungen (29%) war gering. Therapieversagen tritt in dieser Gruppe selten auf (37%). Die Therapie wird in der Regel eingehalten. Die Zeit, die seit der HIV-Diagnose und dem Beginn der Antiretroviralen Therapie verstrichen ist, liegt durchschnittlich bei 6.6 and 5.1 Jahren, und ist kürzer als bei Individuen der anderen beiden Gruppen.

  • Die durchschnittlichen Kosten zwischen den drei Gruppen schwanken erheblich:

    • niedriges Risiko (n = 241): 26.772 $ in 2012 und 26.132 $ in 2013.

    • mittleres Risiko (n = 673): von 3.526 $ (95% CI, 1.907–5.144 $) in 2012 und 4.327 $ (2.662–5.992 $) in 2013; durchschnittlich 13% beziehungsweise 17% zusätzliche Kosten.

    • hohes Risiko (n = 69): zusätzliche Kosten von 14.026 $ (8.763–19.289 $) in 2012 und 13 567 $ (8.844–18.288 $); durchschnittlich 52% zusätzliche Kosten in 2012 und 2013.

  • Erhöht wurden die Kosten außerdem durch so genannte Late Presenter, Individuen, deren HIV-Infektion erst spät erkannt wird. Die Kostenerhöhung (Late Presenter Effekt) betrug durchschnittlich 1303 $ (95% CI, -1113–3718 $) in 2012 und 1212 $ (-1305–3729 $) in 2013.

Finanzierung

Schweizerischer Nationalfonds zu Förderung der wissenschaftlichen Forschung; Bundesamt für Gesundheitswesen und andere.