Koronare Hauptstammgefäß-Erkrankung: nach Stent häufiger Reinterventionen als nach Bypass

  • JACC: Cardiovascular Interventions

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Bei Patienten mit koronarer Hauptstamm-Erkrankung waren in der vorliegenden EXCEL-Studie nach einer perkutanen Koronarintervention (PCI) erneute revaskularisierende Eingriffe häufiger erforderlich als nach einer Bypass-Operation. Die Mortalität war in beiden Fällen erhöht.

Hintergrund

Den aktuellen 5-Jahres-Ergebnissen der EXCEL-Studie   zufolge ist die Mortalität nach Bypass-Operation langfristig geringer als nach PCI (9,9 versus 13,0 Prozent). Welchen Einfluss erneute revaskularisierende Eingriffe nach PCI und Bypass haben, ist unklar, wie die Autoren der EXCEL-Studie schreiben. Sie haben daher die 3-Jahres-Daten der Studie ausgewertet.

Design

Bei der EXCEL-Studie handelte es sich, wie berichtet, um eine randomisierte Studie, an der 1905 KHK-Patienten mit Hauptstamm-Erkrankung und eher geringer bis intermediärer anatomischer Komplexität ((SYNTAX-Score maximal 32) teilnahmen; sie erhielten entweder einen Everolimus-Stent (n = 948) oder einen Bypass (n= 957). Für die vorliegende Publikation haben die Autoren die Häufigkeit revaskularisierender Eingriffe nach PCI und Bypass-Operation sowie relevante kardiovaskuläre Parameter wie Gesamt- und kardiovaskuläre Mortalität ermittelt.

Hauptergebnisse

  • Während der dreijährigen Beobachtungsphase wurden 346 revaskularisierende Eingriffe bei insgesamt 185 Patienten vorgenommen. Die Inzidenz betrug 9,7 Prozent.
  • Die Revaskularisations-Rate war nach PCI signifikant größer als nach Bypass-Operation: 12,9% versus 7,6%. Die Berechnungen ergaben eine Risikozunahme um 73 Prozent (Hazard ratio: 1,73; 95% CI: 1,28 - 2,33; p = 0,0003). 
  • Wenn eine erneute Revaskularisierung erforderlich war, wurde zumeist eine PCI vorgenommen, unabhängig von der Art des Primär-Eingriffes. 
  • Zielstruktur für eine Reintervention war nach Bypass-Op am häufigsten das Hauptstammgefäß; nach PCI war dies dagegen nur in 17,5 Prozent der Fall. 
  • Von 128 Todesfällen waren 74 kardiovaskulär bedingt.
  • Die Notwendigkeit einer Reintervention ging statistisch unabhängig mit einem erhöhten Gesamt- und kardiovaskulären Mortalitätsrisiko innerhalb der Beobachtungszeit einher.
  • Gesamt-Mortalitätsrisiko: adjustierte HR: 2,05; 95% CI: 1,13 - 3,70; p = 0,02) 
  • Kardiovaskuläres Mortalitätsrisiko: adjustierte HR: 4,22; 95% CI: 2,10 - 8,48; p 
  • Nur Reinterventionen am Index-Gefäß und an der Läsion des Indes-Gefäßes waren beide stark mit einer Zunahme des Gesamt- und kardiovaskulären Mortalitätsrisikos assoziiert.

Klinische Bedeutung

Die Ergebnisse sprechen für die Annahme, dass die Überlebensprognose nach PCI durch eine Reduktion der Häufigkeit revaskularisierender Eingriffe verbessert werden könnte. Mögliche Wege dazu könnten unter anderen ein verstärkter Einsatz des intravaskulären Ultraschalls sein sowie verbesserte Stents sein.

Patienten mit Hauptstamm-Erkrankung, die vor der Wahl zwischen PCI und Bypass stehen, sollten auch über die deutlich geringere Rate an notwendigen Reinterventionen nach Bypass-Implantation aufgeklärt werden.

Finanzierung: Abbott Vascular