Kopf- und Halstumoren: Ein Viertel der Patienten bedauert die Entscheidung zur Operation

  • JAMA Otolaryngology-Head & Neck Surgery

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Kernbotschaften

Alter und Gebrechlichkeit spielen keine Rolle, wenn Patienten mit Kopf-Halstumoren postoperativ Bedauern verspüren. Allerdings gibt es einen Zusammenhang zwischen Gebrechlichkeit und Depressionen; und die Schwere der Depression ist mit Bedauern nach der Operation assoziiert.

Hintergrund

Die Behandlung von Kopf- und Halstumoren kann eine erhebliche Morbidität verursachen. Welchen Einfluss unterschiedliche Faktoren auf die zu erwartende Lebensqualität der Patienten haben, ist nicht im Detail bekannt.

Design

Ziel dieser prospektiven Kohortenstudie war ein besseres Verständnis des Zusammenhangs von Alter und Gebrechlichkeit auf die Häufigkeit von Depressionen und dem Bedauern von Therapieentscheidungen. Die Analyse stützt sich auf die Befragung von274 Patienten ab 50 Jahren, die sich an der Universität Toronto wegen Kopf- oder Halstumoren einer Operation unterziehen mussten.

Ergebnisse

  • Das mittlere Alter der Studienteilnehmer betrug 67,8 Jahre; etwa 3/4 waren männlich.
  • Vor der Operation lag die Rate an moderaten bis schweren Depressionen bei 9,6 %, wobei es keine Unterschiede zwischen jüngeren (
  • Vor der Operation war eine höhere Gebrechlichkeit der Patienten (Fried Frailty Index score) mit einer höheren Wahrscheinlichkeit für moderate bis schwere Depressionen assoziiert (Chancenverhältnis OR 2,58, 95%-Konfidenzintervall 1,63 – 4,06).
  • Die Schwere der Depressionen nahm für beide Altersgruppen in den ersten 6 Monaten zu. Nach 12 Monaten lagen die Mittelwerte auf der Geriatrischen Depressions-Skala (GDS, 0 – 30 Punkte, weniger ist besser) für die Jüngeren bei 4,8, und für die Älteren bei 3,1.
  • Das Bedauern über die Entscheidung (zur Operation) wurde anhand der Decision Regret Scale gemessen. Auf der 100 Punkte umfassenden Skala (100 = größtes Bedauern) lag der Durchschnittswert für alle Patienten bei 18,2. Mehr als ein Viertel (26,7 %) empfanden moderates bis schweres Bedauern über ihre Entscheidung. Zwischen jüngeren und älteren Patienten gab es aber keine Unterschiede.
  • Eine Depression vor der Operation war mit moderatem bis schwerem Bedauern über die Entscheidung assoziiert (OR 1,17; 95%-KI 1,06 – 1,28), bezüglich der Gebrechlichkeit fand sich aber kein Zusammenhang mit dem postoperativen Bedauern.

Klinische Bedeutung

Die Studie verbessert das Verständnis jener Faktoren, die bei Patienten mit Kopf-Halstumoren dazu beitragen, dass sie ihre Entscheidung zu einer Operation bedauern. Das Alter scheint hier keine Rolle zu spielen und auch nicht, wie gebrechlich die Patienten vor der Operation sind. Eine Depression vor dem Eingriff war mit dem postoperativen Bedauern assoziiert – allerdings nur in geringem Maße. Dennoch könnten derartige Einsichten nach Ansicht der Autoren dazu beitragen, jene Patienten zu identifizieren, die von einer intensiveren Beratung vor der Operation und einer multidisziplinären Therapie nach der Operation profitieren würden.

Finanzierung: PSI Foundation, Ontario Ministry of Health und University of Toronto.