Kontrastmittel für die Nieren sicherer als lange befürchtet

  • New England Journal of Medicine

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaften

Das Risiko für Nierenschäden durch Kontrastmittel ist nicht so groß wie lange angenommen. Jüngere Daten weisen darauf hin, dass die Mehrzahl akuter Nierenschäden nach Röntgenaufnahmen nicht mit Kontrastmitteln in Verbindung stehen. Es sollte daher nicht voreilig auf Kontrastmittel verzichtet werden, rät die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin e.V. (DGIM). Der Nutzen einer aussagekräftigen Röntgen-Untersuchung müsse immer gegen das – relativ geringe – Risiko einer akuten Nierenschädigung abgewogen werden, heißt es in einer Mitteilung der Fachgesellschaft.

Aus Angst Verzicht auf wichtige Diagnostik

Röntgen-Fachärzte müssen Patienten vor der Gabe von jodhaltigen Kontrastmitteln über Risiken aufklären und auf mögliche Nierenschäden hinweisen, vor allem bei Patienten, die schon vor der Untersuchung eine eingeschränkte Nierenfunktion aufweisen. Aus Angst vor möglichen Komplikationen lehnen die betroffenen Patienten eine Kontrastmittelgabe jedoch häufig ab. „Bei dieser nachvollziehbaren Reaktion geht oftmals die Tatsache unter, dass die Röntgenuntersuchung wegen einer wichtigen Frage, etwa einer Tumorsuche, angeordnet wurde und ohne Kontrastmittelgabe kaum aussagekräftig ist“, sagt Professor Dr. med. Jürgen Floege, Vorsitzender der DGIM und Direktor der Klinik für Nieren- und Hochdruckkrankheiten an der Uniklinik der RWTH Aachen.

Untersuchungen mit Kontrastmitteln sicherer geworden

„Es besteht kein Zweifel, dass solche Kontrastmittel prinzipiell die Nieren akut schädigen können“, sagt Jürgen Floege. Allerdings werde das Risiko einer klinisch relevanten Nierenschädigung heute deutlich geringer eingeschätzt als in der Vergangenheit. Dies betonen auch Dr. Roxana Mehran (Icahn School of Medicine at Mount Sinai, New York) und ihre Kollegen in einem Beitrag zu kontrastmittel-assoziierten akuten Nierenschäden. Die bessere Verträglichkeit hat mehrere Gründe: Inzwischen werden inzwischen Kontrastmittel in wesentlich niedrigeren Mengen verwendet, und es gibt neuere, vermutlich sicherere Substanzen. Die wichtigste Entlastung für die Kontrastmittel komme aber von wissenschaftlichen Studien, die in den letzten Jahren veröffentlicht wurden. Sie konnten zeigen, dass Patienten nach Kontrastmittelgabe nicht häufiger unter Nierenschäden leiden als Patienten, bei denen dieselben Eingriffe oder Untersuchungen ohne Kontrastmittel durchgeführt wurden. „Eine solche Kontrollgruppe gab es in früheren Studien meist schlicht nicht“, sagt Floege – mit der Folge, dass nicht unterschieden werden konnte, ob akute Verschlechterungen der Nierenfunktion auf das Kontrastmittel zurückgehen oder aber auf den Eingriff selbst oder einfach der Tatsache geschuldet sind, dass oft sehr kranke Patienten untersucht werden, die häufig im Rahmen ihrer Krankheit akute Verschlechterungen der Nierenfunktion erleiden. Die Überschätzung der Risiken von Untersuchungen mit jodhaltigen Kontrastmitteln hatte ernsthafte Folgen: So hätten zum Beispiel mehrere Untersuchungen gezeigt, dass bei Patienten mit chronischer Nierenerkrankung seltener eine koronare Angiographie und Revaskularisierung vorgenommen werden als bei Nierengesunden, berichten Roxana Mehran und ihre Mitautoren. 

Mögliche Nierenschäden sollten in der klinischen Praxis trotz entlastender Studiendaten weiterhin berücksichtigt werden, so die DGIM. So sollten Untersuchungen mit Kontrastmitteln bei Patienten mit bekannten Risikofaktoren – etwa einer bereits eingeschränkten Nierenfunktion oder Diabetes mellitus – mit einem möglichst geringen Volumen des Kontrastmittels vorgenommen werden. Außerdem sollten auch nicht-steroidale Entzündungshemmer, die die Nieren zusätzlich belasten, oder das Antidiabetikum Metformin möglichst pausiert werden. Als Nierenschutz bei Risikopatienten wird zusätzlich häufig eine Infusion von Kochsalzlösung in den Stunden vor und nach der Kontrastmittelgabe eingesetzt. Ob intravenös verabreichte Flüssigkeit tatsächlich akuten Nierenschäden vorbeugt, wird allerdings noch diskutiert.