Konsum freiverkäuflicher Analgetika: Schmerzmediziner sind besorgt

  • Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaften

In Deutschland gibt es beim Schmerzmittel-Gebrauch zwar keine so bedenkliche Entwicklung wie in den USA , wo insbesondere der Opioid-Missbrauch stark zugenommen hat. Allerdings bestehe eine bedenkliche Entwicklung zu freiverkäuflichen Analgetika, meldet die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V. und beruft sich dabei auf die Daten des aktuell im „Deutschen Ärzteblatt“ veröffentlichten Epidemiologischen Suchtsurvey 2018 des Instituts für Therapieforschung in München .

Analgetika-Konsum: Frauen „schlagen“ Männer

Laut dem Survey haben 17,5 % (9 Millionen Menschen) der Befragten in den letzten 30 Tagen verschreibungspflichtige und 31,4 % (16,2 Millionen Menschen) freiverkäufliche Medikamente eingenommen, d. h. rund 26 Millionen Menschen haben Schmerzmittel zu sich genommen – mehrheitlich ohne ärztliche Verordnung. Der Frauenanteil lag dabei deutlich höher als der von Männern. Die zweithäufigste Arzneimittel-Gruppe betraf mit 4,1 % (2,1 Millionen Menschen) Antidepressiva. Unter den freiverkäuflichen Medikamenten wurden Hypnotika und/oder Sedativa (2,0 %; eine Million Menschen) eingenommen. Auch diese wurden von Frauen häufiger eingenommen als von Männern. Anteilig war der tägliche Gebrauch verschreibungspflichtiger Antidepressiva mit knapp 88 % und Neuroleptika mit 78,0 % am höchsten.

Ein bekanntes Problem: Kopfschmerzen durch Schmerzmittel

In einer Stellungnahme der DGS erinnert nun Dr. Johannes Horlemann, Präsident der Fachgesellschaft, daran, „dass auch der unsachgemäße Gebrauch freiverkäuflicher nicht-opioidhaltiger Analgetika über einen längeren Zeitraum (ab 15 Tage pro Monat) bedenklich sein kann“. Mögliche Folgen seien medikamenteninduzierte Kopfschmerzen oder ein weiterer Medikamenten-Missbrauch bis hin zur Abhängigkeit, warnt Horlemann. Auf das Problem der analgetika-induzierten Kopfschmerzen hat vor wenigen Tagen auch die Deutsche Gesellschaft für Neurologie hingewiesen. Das gelte auch für Triptane: Bei mehr als 10 Einnahmetagen/Monat über mindestens 3 Monate“ könnten auch diese Wirkstoffe Kopfschmerzen auslösen. „Daher sollten Menschen mit Migräne alles daran setzen, die Anzahl der Migräneanfälle zu reduzieren, indem sie die ihnen bekannten Auslöser („Trigger“) meiden und die in den Leitlinien empfohlenen nicht-medikamentösen Maßnahme zur Anfallsprophylaxe ernst nehmen und konsequent umsetzen, und zwar: regelmäßig Ausdauersport zu treiben“, so Professor Dr. Peter Berlit, Generalsekretär der DGN. 

Diese Daten zeigten, dass der Großteil der Abhängigkeitserkrankungen durch freiverkäufliche Analgetika und nicht durch opioidhaltige Analgetika ausgelöst werde. „Somit unterstützt die Datenlage eine seriöse Opioidtherapie im schmerzmedizinischen Bereich“, betont Horlemann. Keineswegs könne in Deutschland von einer Entwicklung wie in den USA gesprochen werden. 

Aus diesem Grunde unterstützt die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V. die Initiative des Gesundheitsministers, die freie Abgabe von Schmerzmitteln an Patienten verstärkt zu kontrollieren bzw. zu beenden. Denn die gesundheitlichen und volkswirtschaftlichen Folgen dieses Missstandes sind eine schwere Belastung für die gesamte Gesellschaft.