Komplizierte Harnwegsinfektionen: Studie belegt Wirksamkeit eines neuen Antibiotikums


  • Andrea Hertlein
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaft

Während in den USA Plazomicin, ein neues Aminoglykosid-Antibiotikum mit biologischer Aktivität gegen multiresistente Bakterien bereits zugelassen ist, steht die Entscheidung für den europäischen Markt noch aus. In einer internationalen randomisierten klinischen Phase-3-Studie EPIC (Evaluating Plazomicin In CUTI) der Universität Gießen wurde Plazomyzin im direkten Vergleich mit Meropenem, einem Reserveantibiotikum, erfolgreich getestet. Die Studienergebnisse wurden jüngst im "New England Journal of Medicine" veröffentlicht.

Hintergrund

Schätzungsweise drei Millionen Fälle von komplizierten Harnwegsinfektionen (kHWI) werden pro Jahr in den USA in Krankenhäusern behandelt. Doch die Therapie wird durch das wachsende Problem der Antibiotikaresistenz zunehmend erschwert. Die häufigsten Erreger von kHWI-sind Enterobakterien, die hohe Resistenzraten aufweisen, was alternative Behandlungsmöglichkeiten notwendig macht. Eine ineffektiv behandelte kHWI kann zu äußerst schweren Infektionen mit Blutvergiftung und Organversagen führen.

Design

Florian Wagenlehner von der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sein Team haben 609 Patienten mit komplizierten Harnwegserkrankungen, einschließlich akuter Pyelonephritis nach dem Zufallsprinzip mit intravenösem Plazomicin oder Meropenem. Die primären Endpunkte waren die klinische Heilung in Verbindung mit der vollständigen mikrobiologischen Eliminierung des Krankheitserregers am Tag 5 sowie an den Tagen 15 bis 19 nach Therapiebeginn.

Hauptergebnisse

Die Auswertung der Studiendaten hat gezeigt, dass Plazomicin gegenüber Meropenem bei der Behandlung von Patienten mit komplizierten HWI, einschließlich akuter Pyelonephritis, nicht unterlegen war. Im Gegenteil: Nach der Behandlung mit Plazomicin ließ sich eine höhere Rate der Erregerabtötung nachweisen als nach der Behandlung mit Meropenem. Auch die Rate von klinischen Rückfällen im Nachsorgezeitraum fiel deutlich geringer aus. Was die Sicherheit des neuen Aminoglykosides Plazomicin betrifft, stellten die Wissenschaftler bei einer kleinen Anzahl von Patienten einen geringfügig erhöhten Kreatininwert fest (7% bei Plazomicin, 4% bei Meropenem).

Klinische Bedeutung

„Die Befunde dieser Studie zeigten demnach erstmals, dass Plazomicin bei erwachsenen Patienten mit komplizierten kHWI oder akuter Pyelonephritis – sowie weiteren Infektionen, die durch multi-resistente Erreger verursacht werden – eingesetzt werden kann“, resümiert Studienleiter Professor Florian Wagenlehner vom Universitätsklinikum Gießen in einer Mitteilung. Im Gegensatz zu anderen Phase-3-Studien mit kHWI-Patienten wurden in der EPIC-Studie Personen aus der Analyse ausgeschlossen, die einen Erreger in der Urinkultur hatten, der resistent gegen das Vergleichsantibiotikum Meropenem war. Damit sei eine mögliche Verzerrung der Ergebnisse durch eine erhöhte Resistenz des Vergleichsantibiotikums ausgeschlossen.