Kombitherapie mit Mirtazapin nicht besser als Monotherapie mit SSRI oder SRNI


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaft

Patienten mit Depression, die trotz SSRI oder SNRI weiterhin Symptome haben, profitieren nicht von der zusätzlichen Gabe von Mirtazapin. 

Hintergrund

Ein Teil der Patienten mit einer schweren Depression spricht selbst auf maximal dosierte SSRI oder SNRI nicht ausreichend an. Von Mirtazapin, einem Noradrenalin und Serotonin-Antagonisten, kann aufgrund des Wirkmechanismus bei Kombination mit einem SSRI oder SNRI ein additiver und auch synergistischer Effekt erwartet werden. Bisherige Studien zu einer Kombinationstherapie, etwa mit Venlafaxin, hatten gemischte Egebnisse.

Design

Randomisierte und Placebo-kontrollierte Phase-3-Studie, an der  480 erwachsene Patienten mit Depression (Beck Depressions Inventar: mindestens 14 Punkte) aus 106 Allgemeinarzt-Praxen in Großbritannien teilnahmen. Die Patienten hatten trotz mindestens sechswöchiger Therapie mit einem SSRI oder SNRI weiterhin Symptome. 241 von ihnen erhielten zusätzlich zu einem SSRI oder SNRI noch Mirtazapin (30 mg/die), 239 stattdessen ein Placebo-Präparat. Bei 431 Teilnehmern konnten nach 12 Wochen die Therapie-Effekte beurteilt werden (BDI: Beck-Depressions-Inventar II).

Hauptergebnisse

Die Gruppe der Patienten mit zusätzlicher Mirtazapin-Therapie hatte beim BDI einen Wert von 18,0 (Ausgangswert: 31,5), die Patienten der Placebo-Gruppe einen Wert von 19,7 bei einem Ausgangswert von 30,6.  Dies ergab eine mittlere Differenz zwischen den Gruppen von -1,83 (CI: -3,92 - 0,27; p = 0,09). Den Unterschied werteten die Autoren als klinisch nicht relevant. Über Nebenwirkungen klagten mehr Patienten der Mirtazapin-Gruppe (46 versus 9). Dies führte dazu, dass auch mehr Patienten der Mirtazapin-Gruppe die Studie abbrachen.

Klinische Bedeutung

Die Ergebnisse sprechen nach Angaben der Autoren nicht dafür, Patienten mit depressiven Symptomen trotz Therapie mit SSRI oder SNRI in maximaler Dosierung noch zusätzlich das Antidepressivum Mirtazapin zu geben. Es bestehe in der ambulanten Versorgung daher weiterhin Bedarf an einer besser wirksamen Pharmakotherapie für diese Patienten, zumal auch kognitive Verhaltenstherapien nicht bei allen Betroffenen wirksam seien. 

Finanzierung: öffentliche Mittel